Schuberts berühmteste Werke



Sechs Momente Musicaux

Diese sechs Meisterstücke für Klavier werden während der letzten fünf Lebensjahre Schuberts geschrieben. Sie zeigen eine unglaubliche Fülle von Gefühlen und Ausdruck. Zusammen kombinieren sie sowohl die Klangbilder des Barock (vgl. das 4. Stück) und der Klassik als auch den neuen Stil der Romantik. Ursprünglich liegt es nicht in Schuberts Absicht, diese sechs Stücke zusammen zu veröffentlichen, weshalb sie z. T. erst separat und unter anderem Namen herausgegeben werden.

Einige ordnen das "Allegretto c-Moll", D 915, diesen Stücken zu. Bei diesem Werk handelt es sich um ein "Abschiedswort" an seinen Freund Walcher vom 26. April 1827,  der Wien verlassen muss, um in Venedig, damals habsburgisch, seinen Wehrdienst abzuleisten; ausgedrückt wird der Abschiedsschmerz, aber auch, an späterer Stelle in C-Dur, die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr des Freundes.

 



Die 5. Symphonie

Schuberts 5. Symphonie wird 1816 komponiert, dem Jahr, in dem Schubert zu seinem Freund Franz von Schober übersiedelt. Sie ist in jener zauberhaften Manier geschrieben, die vielfach als typisch für Mozart angesehen wird. Schubert geht aber über eine reine Nachahmung Mozarts weit hinaus und nimmt viele Innovationen vor, z. B. ungewöhnliche Modulationen. Die Sinfonie - eigentlich für ein kleines Orchester verfasst, das dem jungen Komponisten aber nicht zur Verfügung steht – wird erstmalig von seinem Freundeskreis aufgeführt. Der erste Satz der Symphonie wird von der Flöte dominiert. Die Grundstimmung der Symphonie - Schubert ist 19 Jahre alt und noch jung und hoffnungsvoll - ist optimistisch.



Die achte Symphonie - die "Unvollendete"

Die unvollendete Symphonie von Schubert besteht aus nur zwei Sätzen. Sie wird dem Musikverein von Graz gewidmet, dessen "Ehrenmitglied" Schubert seit 1823 ist. Es gibt viele Spekulationen über die Frage, warum er die Symphonie nicht beendet. Eine Theorie besagt, die ersten zwei Sätze seien so gut gelungen, dass Schubert weitere Sätze nicht nötig empfindet. Es mögen aber auch ganz andere Gründe zutreffen. Immerhin gibt es Skizzen zu einem dritten Satz, einem Scherzo, die dann aber liegen bleiben. Auch dürfen wir nicht vergessen, dass bei Schubert wenig später, nämlich 1823, die ersten Anzeichen einer sexuellen Infektion auftraten; möglicherweise ist es ihm deswegen schwer, weiter zu schreiben. Es mag aber auch mit Schuberts Arbeitsweise zusammenhängen, der nicht gerne Werke so aus- und überarbeitet, wie Beethoven es tat, sondern, was ihm weniger gelungen erscheint, lieber gleich neu schreibt. Vielleicht ist er auch bereits von neuen musikalischen Einfällen eingenommen und übergeht deshalb die weitere Arbeit an der achten Symphonie.

Zu seinen Lebzeiten wird die Symphonie übrigens nie gespielt. Erst 1865 findet sein einstiger Freund und Mitschüler bei Salieri, der Komponist Anselm Hüttenbrenner das Werk in Graz.

Von Schubert selbst stammt noch eine  vierhändige Fassung für Klavier, damit er das Stück mit einem seiner Brüder spielen kann.



Klavierstücke für vier Hände

Schubert schreibt viele Klavierstücke für vier Hände, mehr als jeder andere Komponist, darunter zahlreiche großartige, vor musikalischen Ideen übersprudelnde Werke. Seine ersten vierhändigen Kompositionen stammen aus dem Jahr 1810, als er noch Kind ist, gerade einmal 13 Jahre alt! Bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1828 komponiert er alle Jahre hindurch vierhändige Klaviermusik, in seinem letzten Lebensjahr beispielsweise sein berühmtes Stück ‚Lebensstürme’. Der Titel, zwar nicht von Schubert selbst, trifft dennoch die schwere und harte Zeit sehr genau, die der Komponist damals durchleidet.

In den Sommern der Jahre 1818 und 1824 wirkt Schubert als Klavierlehrer der Töchter des Grafen Esterházy, Maria und Karoline, in Szellesz, Ungarn. Auch dort komponiert er einige Stücke für Klavier zu vier Händen. Auffällig an diesen Werke ist, dass die Arme der Spieler sich häufig kreuzen. Vermutlich steckt dahinter der Wunsch, die Hand der jungen Gräfin Karoline, zu der Schubert eine heftige Zuneigung gefasst hat, zu berühren.



Lieder

Schubert ist vermutlich der bedeutendste Liederkomponist überhaupt. Im Jahr 1815, gerade 18 Jahre alt, schreibt er allein 150 Lieder, im folgenden Jahr weitere einhundert, insgesamt über 600 in seinem kurzen Leben! Er vertont Gedichte von Goethe (73 Lieder), Schiller (42 Lieder), Hölty (23 Lieder), Matthias Claudius (10 Lieder), Novalis (7 Lieder), Heine (6 Lieder), Rückert (5 Lieder), aber auch von anderen mehr oder weniger bekannten Dichtern wie Rellstab („Leise flehen meine Lieder“) oder Müller („Die schöne Müllerin“, „Winterreise“) usw.; einige Texte stammen von seinen Freunden, z. B. von Schober und Mayrhofer. Seine Musik verbindet sich dabei mit den Worten in einer Art und Weise, die sowohl typisch für ihn ist als auch einzigartig in der Musikliteratur. Schuberts Musik verleiht den Worten Leben, Klang, Fülle, Ewigkeit.

"Heidenröslein", ist eines seiner berühmtesten Lieder - berühmt seine Musik und berühmt Goethes Text. Komponiert wird es – zusammen mit vier weiteren Liedern - am 19. August 1815 von dem gerade 18jährigen! Beim ersten Hören scheint es nur ein wohlklingendesVolkslied zu sein, aber nach einer Weile lassen Musik und Text eine wesentlich tiefere Bedeutung erkennen.

"Der Erlkönig", Goethes bekannte Ballade. Ein Vater reitet mit seinem fieberkranken Kind durch die Nacht seinem Hof zu Das Kind wähnt sich verfolgt von dem imaginären Erlkönig. Alle verstandesmäßigen Einwirkungen und Beruhigungsversuche des Vaters bleiben erfolglos. Am Ende stirbt das Kind. Dahinter der Konflikt zwischen dem Rationalen und Irrationalen im Leben. Über die Entstehung des Liedes berichtet Schuberts Freund Josef von Spaun: „An einem Abend ging ich mit Mayrhofer zu (dem damals gerade 18 Jahre alten) Schubert ... Wir fanden ihn ganz glühend, den ‚Erlkönig’ aus dem Buche laut lesend. Er ging mehrmals mit dem Buche auf und ab, plötzlich setzte er sich, und in der kürzesten Zeit, so schnell man nur schreiben kann, stand die herrliche Ballade auf dem Papier. Wir liefen damit, da Schubert kein kein Klavier besaß, in das Konvikt, und dort wurde der ‚Erlkönig’ noch denselben Abend gesungen und mit Begeisterung aufgenommen.“

"Gretchen am Spinnrade", stammt aus Goethes „Faust“. Es ist eines der ersten Lieder Schuberts, geschrieben von dem 17jährigen im Jahre 1814; seine erste Vertonung eines Goethe-Gedichtes. Das Lied handelt von Gretchen, einem jungen Mädchen, das sich in Faust verliebt hat. Von Faust verführt, ist ihr innerer Frieden zerstört, und sie wünscht sich einen Kuss der Liebe, um wieder Sinn im Leben zu finden.

"Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß was ich leide" eines von Schuberts letzten Werken. Der Text ist wieder von Goethe. In dem Lied der Zigeunerin Mignon scheint Schubert selbst derjenige zu sein, dessen Leiden besungen wird: Die Musik weist deutlich über den Text selbst hinaus. Für mich ist dieses Lied eines der eindrucksvollsten und besten; es wirkt wie das Abschiedswort des Meisters der Liederkomponisten.

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Kristofer Andréasson frühen August 1997-2003
Übersetzung:
Shami Ghosh Januar 1999
Quellen: CD 8,550476, CD 8,550555, CD 8,550259 Hefte Naxos,
CD 430 425-2 Hefte Decca und Broschüre Linz CD 48087
Marcheron, Annamaria, und andere: De stora kompositörerna. Kungälv 1991
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kristofer
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