Schuberts Musik
Die Musik
Schuberts ist in hohem Maße eigenständig und unterscheidet sich wesentlich von
der anderer Komponisten. Im Gegensatz zu Mozart, Beethoven und besonders Wagner,
Schubert scheint auf den ersten Blick ganz unbewusst einerseits, genial
andererseits zu schaffen. Tatsächlich ist seine Musik durchdacht und Ausfluss
einer tiefen Sicht der Welt und des Lebens. Nicht von ungefähr schreibt der
Schwager von Spaun, Dr. Anton Ottenwald, in dessen Haus in Linz Schubert 1825
als Gast weilt: „Ich musste immer mehr erstaunen über diesen Geist, dem man
nachsagte, seine Kunstleistung sei so unbewusst, ihm selbst oft kaum offenbar
und verständlich ... Ich kann nicht reden von dem Umfang und einem Ganzen
seiner Überzeugungen – aber Blicke nicht bloß einer angeeigneten Weltsicht
waren das.“
In seiner
Jugend hört er Musik berühmter Komponisten und versucht zunächst erfolgreich,
ihren Stil nachzuahmen, ohne sie aber nur zu imitieren. Schon früh zeigen sich
typisch Schubertsche Züge in seinen Werken. Seine frühen Symphonien sind in der
Manier Beethovens geschrieben, und die berühmte 5. besitzt die Zauberkraft
Mozarts. Aber gerade in dieser Symphonie beginnt er, seine eigene Ideen auszudrücken,
zum Beispiel durch ungewöhnliche Modulationen. Schuberts achte Symphonie, die „Unvollendete“,
ist ganz in der ihm eigenen Weise komponiert und anerkannt als ein Höhepunkt
seines sinfonischen Schaffens. Diese Art des Komponierens gab es nie vor ihm
und nie wieder nach ihm - romantisch und klassisch zugleich.
Die Musik
aus Schuberts Jugend wirkt oft glücklich und gelöst, während die Musik seiner
letzten Jahre häufig eher melancholisch erscheint. Wenn man allerdings sorgfältig
in die späten Werke hineinhört, kann man fast immer eine starke positive Kraft
spüren. Dies spiegelt den emotionalen Zustand des Komponisten während seiner
letzten fünf Jahre. Zu dieser Zeit leidet er unter der Syphilis, die seine Kräfte
verzehrt. Dabei ist Schubert tief gläubig: „Mit dem Glauben tritt der Mensch in
die Welt, er kommt vor Verstand und Kenntnissen weit voraus.“ (1824). So ist er
überzeugt, dass er mit seinem Tod in ein besseres Leben hinübergehen würde.
Diese Zuversicht kann in seiner Musik deutlich gespürt werden.
Schubert
hat sehr selten die Möglichkeit, seine Werke von einem großen Orchester und von
professionellen Musikern aufgeführt zu hören. Er schreibt also viel Musik für
Klavier, zwei- und vierhändig, für Streichquartette und selbstverständlich zahlreiche
Lieder. Obschon er nicht alt ist, als er stirbt, hinterlässt er einen enormen
Musikschatz für zukünftige Generationen. Es ist müßig, darüber zu spekulieren,
was er noch alles hervorgebracht hätte, wäre sein Leben länger gewesen. Robert
Schumann dazu: „Nachzugrübeln, was er noch hätte erreichen können, führt zu
nichts. Er hat genug getan, und gepriesen sei, wer wie er gestrebt und
vollendet.“
Genau
wie Mozart entwickelt Schubert seine Melodien vorab und vollständig im Kopf,
ohne Klavier; das Aufschreiben der Noten ist ihm oft lästige Arbeit. Nichtsdestoweniger
schreibt er unentwegt. Insbesondere morgens sitzt er oft vor Notenblättern und
notiert seine musikalischen Einfälle. All’ die Jahre hindurch, vor allem aber
im letzten Jahr ist seine Arbeitsleistung enorm. Wir sollten sehr dankbar sein
für das ebenso umfangreiche wie großartige Werk, das Schubert in seinen wenigen
Lebensjahren geschaffen und uns hinterlassen hat.
Kristofer Andréasson
frühen August 1997-2003
Quellen: Naxos CD 8,550476, CD 8,550555, CD 8,550259 Texthefte,
Decca booklet CD 430 425-2 and Linz booklet CD 48087
Marcheron, Annamaria, und andere: De stora kompositörerna. Kungälv 1991
Bitte fühlen Sie sich frei in Verbindung zu treten, wenn Sie irgendwelche
Fragen oder Vorschläge haben; kristofer
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