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Zur Literatur von und über August Strindberg

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August Strindberg
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Frans Hedberg(1826-1908) war Strindbergs Lehrer an der Schauspielschule des Dramatischen Theaters  und ermunterte und stützte ihn in seinen ersten Versuchen als dramatischer Dichter. Über Strindbergs Dankbarkeit zeugen, außer zahlreichen Briefen, unter anderem ein Hedberg zugeeigneter Sonettzyklus "Från Stockholm till Köpenhamn"(1869), gedruckt in "Samlade otryckta skrifter II" , weiter ein 
Huldigungsgedicht, gedruckt in "Dikter" 1883, die Strindberg beim Abschiedsfest der Schauspielschüler im Dezember 1869 vortrug. Später sollten Strindbergs Gefühle umschlagen,  und er zeichnete im "Roten Zimmer" ein böses Portrait von Hedberg als Direktor der Theatergesellschaft Phoenix. 

Brief Nummer 9 

  An Frans Hedberg 

     Upsala den 13ten im Schlachtemonat 1870 
         [Oktober] 
  
  Geehrter Lehrer!  
   
In diesem Augenblick einen passenden Ausdruck für  meine Dankbarkeit zu finden, wäre schwierig - denn es brächte nur Langstieligkeit hervor, die in ihrer Ausdehnung alle Kraft verlöre und sicherlich von Ihnen gestrichen werden würde - deshalb ein einfaches, herzliches - Danke!  Mögen die Götter mir eine solche Zukunft gönnen, durch Handlung diesen Dank bekräftigen zu können! Meine größten Hoffnungen auf einen kommenden Gewinn wurden mehr als übertroffen!(50)  

Meiner Meinung nach haben die öffentlichen Richter mir volle Gerechtigkeit erwiesen - sogar von dem der N.D.A.(51) - doch hätte er die Rute nicht auch noch in  
Salzlake tauchen brauchen! Das schmerzt, aber das schmerzt gut ! Das habt Ihr mir gelehrt und darüber bin ich dankbar -  

Nunmehr arbeite ich an einem Fünfakttrauerspiel: "BlotSven" (Opfer-Sven) - möglicherweise der größte Stoff in der ganzen schwedischen Geschichte - Wird nichts daraus, so wird es eine Studie! Ich durchlebe meinen Stoff mit meiner ganzen Seele - und zu den Vorstudien habe ich unter anderem Isländisch gelernt - und in dessen Literatur entdeckte ich täglich neue Erzgänge - Oelenschläger  ist mein Vorbild - Morgen werde ich den zweiten Akt beenden. Die Arbeit geschieht bei geschlossenen Türen und herabgelassenen Rollos - ich hasse nämlich diese Stadt  
der toten Buchstaben und Examenslesungen - wo, merkwürdigerweise, kein geistiges Leben zu entdecken ist - so daß ich  in meinen Träumen nicht von der traurigen  
äußeren Wirklichkeit gestört werden kann! Viele blutige Kämpfe habe ich durchstanden, zwischen Pflicht und Gewissen, wie ich das nenne - und täglich habe ich Gelegenheit, die Wahrheit des Sokrates kennen zu lernen - das Schöne ist schwierig! Aber warum zwinge ich Ihnen diese traurigen Bekenntnisse auf - Sie haben villeicht genug  Eignes -  

 "Hermione " ist nun bei den achtzehn weisen Männern(52) - Gott sei mit ihr! Eine Kritik kann ich mir auf jeden Fall erwarten!  Hier übrigend der Wahlspruch, falls es  
interessiert:  
   Friede deinen heil'gen Resten!  
   Nicht der Feind hat dich entrafft.  
   Ajax fiel durch Ajax Kraft!  
      Schiller(53)  

Nun wäre es an der Zeit zu schließen! Seien Sie versichert, immer werde  ich Sie als meinen besten Förderer und Freund ansehen - waren doch Sie es,  der den kleinen Funken zum Leben erweckte, der in mir verborgen lag - und werde ich etwas Erfolg haben, werde ich stets dankbar  
gestehen, daß es Frans Hedberg war, der meine ersten Schritte lenkte und mich von einem Weg zog, auf dem ich möglicherweise für immer mich verirrt hätte - (54)  

Wenn ich zu Weihnachten zu meinem lieben Stockholm zurückkommen werde - dem Heim der Kunst und der Bildung - werde ich persönlich meinen Dank sagen - bis  
dahin verbleibe ich in Ihrer freundlichen Erinnerung -  
    Ihr dankbarer  
    August Strindberg  
  
  
  
  

2. Der Junge Schriftsteller
 

 
 

Bereits 1869, direkt nach dem gescheiterten Versuch, Schauspieler zu werden, hatte Strindberg ein Drama geschrieben. Die Komödie in zwei Akten "Namnsdagsgåva" 
(Namenstagsgeschenk), welche spurlos verloren gegangen ist; Strindberg erzählt in seiner Autobiographie: Es handelte von einer Stiefmutter und Stiefsohn, die versöhnt werden. Das Familienzerwürfnis zuhause hatte stets auf ihm gelegen wie etwas Sündhaftes, und er sehnte sich nach Versöhnung und Frieden. Diese Sehnsucht äußerte sich heute in ungewöhnlich melancholischem Ausdruck, und während er auf dem Sofa lag, baute sein Hirn vielfältige Vorschläge zu einer Lösung auf, der Mißstimmung im Hause abzuhelfen. ( - - -) Nach ein paar Stunden hat er eine Komödie in zwei Akten fertig im Kopfe.  Es war eine sowohl schmerzhafte als auch wollüstige Arbeit, falls man es Arbeit nennen durfte, denn es ging ganz von allein, ohne seinen Willen oder Veranlassung. Aber nun muß es niedergeschrieben werden.  
In vier Tagen war das Stück fertig .  
     (Sohn einer Magd, Band 1) 

Auch im zweiten Stück, "Fritänkaren" (Der Freidenker), was im November 1869 fertig wurde, geht die Handlung vom Familienzwist aus, aber ohne eine schließliche Versöhnung. Dessen Held, Karl, ist ein kompromißloser Idealist, der für seinen Glauben alles zu opfern bereit ist. 

Als nächstes Stück schrieb er "Det sjunkande Hellas", ein Drama in drei Akten, das er aber schon nach kurzer Zeit, nach Refusierung vom Königlichen Theater, um zwei 
Akte erweiterte und mit dem Titel "Hermione" versah.. Die Akademie urteilte über das eingereichte Drama u.a. mit folgenen Worten, zitiert  nach Martin Lamm "August Strindberg", Stockholm 1948, Seite 16:"(---)...fleißiges Bemühen um 
Lokalkolorit, wobei gleichzeitig betont wurde, daß es ihm nicht glückte, vollständig sich der griechischen Töne und Kostüme anzueignen. Das Drama, das im übrigen wohlwollend behandelt wurde, und schöne 
Zukunftsaussichten für dessen Verfasser versprach, wurde aber hart kritisiert auf Grund der mangelhaften Verskunst 
und der zu familiären Sprache." 

Ein Stück über Jesus von Nazareth wurde nach kurzer Zeit aufgegeben, da Strindberg einsah, daß das Thema zu groß war. Sodann begann er, nach dem Beiseitelegen des "Erik XIV" und und kurzwarigem Szenenerfolg mit "In Rom", was ihm immerhin eine gewisse, wenn auch bescheidene Unterstützung und erste 
Anerkennung als Autor einbrachte, sich einem  größerem  Stoff : "Blot-Sven" (Opfer- Sven) zuzuwenden, der den Kampf  Heidentum/Christentum schildern sollte.  Dieses 
großangelegte Bühnenspiel wurde aber noch vor der Fertigstellung von dem  Runa-Mitglied Josef Linck heftig kritisiert, woraufhin  August Strindberg die angefangenen 
Bruchstücke in den Einakter "Den Fredlöse" (Der Friedlose) verwandelte. Strindberg konnte am  16.Oktober 1871 auf dem Dramatischen Theater nur einen mäßigen Erfolg notieren, gewann aber das Interesse des Königs Karl XV, der ihm für eine begrenzte Zeit ein Stipendium auslobte. 

Strindbergs Stimmung schwankte, wie während seines ganzen Lebens, ständig zwischen exaltierter Munterheit und plötzlicher, tiefster depressiver Nervosität, besonders, nachdem  im Herbst 1870 ein naher Freund, dessen Gesellschaft er 
zurückgewiesen hatte, sich das Leben nahm. Im Frühjahr 1871 kommt es auch zum Bruch mit dem Vater, er verläßt dessen Wohnung für immer, nachdem der Vater Strindbergs Plan, den Sommer auf Kymmendö zu verbringen, verworfen hatte. Den 
Sommer, wie viele andere, verbringt er  mit Freunden auf dem idyllischem Eiland in den Schären. Im Spätherbst dieses Jahres legt er Prüfungen in Philologie, Astronomie und Staatswissenschaften ab, nachdem er bereits im Vorjahre  eine 
literaturwissenschaftliche Abhandlung über Adam Gottlob Oehlenschlägers "Hakon Jarl" vorgelegt hatte, konnte aber in keiner der Prüfungen die angestrebten Zensuren erhalten.  Bereits 1869, als er in Stockholm wohnte und er in einer Chemieprüfung scheiterte, hatte er das Medizinstudium abgebrochen und sich hauptsächlich Sprachstudien und der Philosophie zugewandt. 

An Oscar Seippel (1841-1914), Großhändler und bekannt mit August Strindberg seit Kindheitstagen, ging  ein typischer  Strindberg'cher Bettelbrief, die er während seines ganzen Lebens, aus Not gezwungen, an zahlreiche Mäzene, Freunde und Schriftstellerkollegen verschickte. 

Brief Nummer 10 

      Kymendö 17.VII   71 
Oskar Seippel!  
Nicht auf Grund einer alten zufälligen Bekanntschaft suche ich Hilfe - denn, das ist  - ohne Ausrede und Schmeicheleien, welche Deine, wie ich mich erinnere, offene  Natur verabscheut - mein Anliegen(55) - Nein, ich komme als Fremder - doch dabei  gebrauch ich ein altes Recht der vertraulichen Anrede - und bitte Dich, wenigstens  meinen Brief zuende zu lesen, so daß Du mich nicht für ein Pumpgenie hälst, der  mehr oder weniger nachlässig aufgekommene  Schulden abdecken muß.  

Vor vier Jahren wurde ich Student und war bettelarm - mein Vater konnte mir nichts  mehr geben - während des Sommers unterrichtete ich einige Jungen und fuhr nach  
Upsala mit einer Kasse von 80 Reichstaler, machte dort ein Semester und verließ  die Stadt mit einer Schuld von 10 Reichstaler - auf diese sowohl bedauerliche als  
auch lächerliche Leidensgeschichte weiter einzugehen bringt nichts ein! Dann  wurde ich Volksschullehrer - danach Informator und studierte Medizin - danach war  
ich auf dem Weg, Schauspieler zu werden - was, Gott sei Dank, ein unglückliches  Ende fand und nun bereite ich mich darauf vor, den Doktor zu bauen, was ich wohl  
nächstes Jahr um diese Zeit hinter mich gebracht haben werde. Nun ja - warum  nicht fortsetzen als Volksschullehrer mit festen Lohn! Aber darf ein Jüngling, der  voran will und der arbeiten kann, nicht seiner Berufung folgen, nur weil er arm ist?  
- Meine Erfahrung sagt mir: Nein! Überall -  Trotzdem habe ich mich auf das wilde  Unternehmen eingelassen, in Stockholm wohnend, mein Examen in Upsala zu  
machen - die Professoren sind gegen mich, aber zwei habe ich überwunden(56) - denn  ehrliche Arbeit setzt sich immer  durch - zu seiner Zeit - Jetzt ist doch ein  
Wendepunkt - meine Kräfte wollen mich verlassen, die Überanstrengung war zu  groß, ich zweifle hin und wieder an meinen Mut und dann ist alles bereit  
auseinander zu fallen,  - Ja, ich stehe in der gleichen Situation wie ein gewisser  Signor Bertel, meine  Jason-Statue ist halbfertig(57) - muß ich dieses Werk meiner  Jünglingskraft, meiner mühevollen Tage und schlafloser Nächte, zerschlagen - Soll  ich noch einmal mich in die Welt stürzen und mich unbekannter schicksale  anvertrauen, und dabei vielleicht unterzugehen oder als Volksschullehrer über dem  Grab der Zukunftsträume zu weinen? Was weiß ich?  Hilf mir! Es ist hart, wenn  
man so jung ist, zu betteln - aber ich bettele nicht - ich bitte um einen Kredit - mit  meiner Zukunft als Sicherheit! Aber was willst Du mir auf meine  Zukunft hin geben  
- Du kennst mich ja nicht - Du brauchst Deine Gelder im Geschäft - Ja! Ja! aber  willst Du nicht dreihundert Reichstaler in die Zukunft eines Jünglings setzen -  Glaubst Du nicht, die Zinsen - Bewußtsein einer guten Tat - der Gedanke, einen  Jüngling, vielleicht eine ganze Familie gerettet zu haben - die Freude über eine  geglückte Spekulation aufwiegen wird und als schöne Erinnerung am Lebensabend -  
Aber genug! Ich will Dich nicht mit Gefühlsausbrüchen bestechen - und verzeih mir,  wenn Du meinst, meine Frechheit sei unziemlich - sei versichert, ich habe in einer  
ernsten Stunde geschrieben - und zeige wenigstens die Barmherzigkeit und gib mir  eine Antwort - bald, daß ich Zeit zum Überdenken meines Rückzuges finden kann!  

Zur Zeit wohne ich bei einem Fischer im Schärengürtel, um meine Kräfte wieder  aufzurichten, was mir ein wohlmeinender Mensch(58) ermöglicht hat - meine Adresse  ist deshalb:  
    August Strindberg  
     Kymendö  
       Adr: Kapitän Hellström.  
     Dalarö  
  

August Strindberg wurde über Jahre Unterstützung von seinen Freunden Gustav Eisen  und Georg Törnquist unter dem Decknamen Fiorelli zuteil. Am 14.März 1872 
schreibt z.B. Gustav Eisen an Georg Törnquist: "Aug. Strindberg wohnt jetzt Ladugårdslandet, Grev Magnigatan Nr.2, 2 Treppen auf dem Hofe. Möchtest Du mir baldmöglichst ein Kuvert schicken mit obiger Adresse, so kann unser Freund sehen, daß Fiorelli ihn noch nicht vergessen hat, obwohl er kein König ist; die letzten Ereignisse zeigen, solche Personen haben ein besonders schlechtes Gedächtnis. Es ist überaus traurig, daß August aus Geldmangel nicht seine Examina abschließen 
konnte, wo er doch so nah war." 
  

Brief Nummer 11 
An Gustav Eisen 
     [Uppsala um den 1.Februar 1872] 
Gustav! 
Ich habe an die Hofverwaltung geschrieben, ohne eine Antwort zu bekommen(59) - ich war auch beim Wucherer, ohne Geld zu bekommen, wobei morgen eine Menge  
Schulden verfallen, ganz abgesehen von meiner Uhr und anderem - -  

Willst du so gut sein, mir Antwort zu geben, wenn ich etwas bekommen kann - aber fasse das nicht als Druckmittel auf - Heute gehe ich selbst nicht hinaus, denn ich bin  
krank vor Müdigkeit und Unruhe - wenn ich bloß wissen kann , wann Du kannst - werde ich einen neuen Versuch machen -  
In Zuversicht auf Deine unerschütterliche Nachsicht habe ich dies geschrieben -  
dazu genötigt und gezwungen -  
     August  
  

In der Autobiographie schreibt Strindberg, daß er lange vergebens auf eine neue Auszahlung des Königlichen Stipendiums gewartet und als drei  Monate vergangen 
waren, an die Hofverwaltung schrieb - was wohl um den Monatswechsel Januar/Februar geschehen sein dürfte, denn um den  1.November 1871 war Strindberg das Stipendium zugeteilt worden. 

Bevor Strindberg durch "Das Rote Zimmer" und "Meister Olaf" ein Autor der Weltliteratur  wurde, versorgte er sich, auch nachdem er 1874 Anstellung als Assistent an der Königlichen Bibliothek (KB) fand, als Journalist bei hauptsächlich 
Stockholmer Zeitungen und Zeitschriften, u.a. DAGENS NYHETER, STOCKHOLMS AFTONPOST, FÖRR OCH NU, GÖTEBORGS HANDELS- OCH SJÖFARTSTIDNING, FINSK TIDSKRIFT  u.v.a. 
1873 war Strindberg u.a. Redakteur für SVENSK FÖRSÄKRINGSTIDNING, einer Versicherungszeitung, dessen Garant Otto Samson, Direktor der Nordsjerna- 
Versicherungsgesellschaft, war 

Brief Nummer 12 
      Kymendö, der 2.August [1873] 
H.Herr Otto Samson! 
Da ich den ganzen Sommer kränkelte und nun zuletzt an - so glaubt man - gastritischem Fieber(60) - war das Erscheinen der Zeitung beklaglicherweise  
unregelmäßig - ich hoffe doch, die letzte Doppelnummer ist herausgekommen. Ich bin jetzt mit der nächsten Doppelnummer(61) beschäftigt und würde mit Dankbarkeit einigen neuen Zeitungen entgegensehen, sowie den Jahresbericht der Städtischen Feuerwehr in Stockholm, der in einigen Zeitungen zu lesen war, was man so erzählt  
hat.  
         Baldigst erwartend Ihre gefälligen Sendungen.  
                        Wie oben mit ausgesuchter Achtung  
                August Strindberg  
   

Im Juni 1875 wurde Strindberg mit Siri von Essen bekannt, die mit dem Freiherrn Carl Gustaf Wrangel seit 1872 verheiratet war, einem Hauptmann der Svea- Leibgarde, der lebhaftes Interesse an Theater und Literatur hatte. Siri von Essen 
(1850-1912), die Ambitionen hatte, Schauspielerin zu werden, hatte dieses Ziel, auf Grund ihrer sozialen Stellung aber nicht verwirklichen können. Schon bald wurde Strindberg vom Ehepaar Wrangel wie ein Familienmitglied behandelt. 
  
Der nachfolgene Brief ist undatiert, dürfte aber der früheste bewahrte von Strindberg an das Ehepaar Wrangel sein; dieses geht aus dem Ton des Briefes hervor, der nicht auf nähere Bekanntschaft schließen läßt. Möglicherweise läßt der Brief sich auf die Tage nach Samstag, dem 19.Juni 1875 datieren. 

  

Brief Nummer 13 
 Bester Herr Baron! 
Tausendfachen herzlichen Dank für den angenehmen Samstagabend und viele Grüße an Ihre Freifrau!  
Hiermit zur gefälligen Ansicht. Ich habe es nicht selbst gelesen! werde meine Forschungen in der Militärdramatik fortsetzen!(62)  
 Liege heute krank zuhause - der Kopf ist wie weggeblasen - Habe vielleicht zuviele Klosterschriften und Legenden in der Nacht gelesen: alles um und für - M.O.(63),  
was jetzt mein A und O geworden  ist, und wofür ich mich wahrscheinlich unglücklich machen werde u.s.w.  
     Ihr August Strindberg  
Brief Nummer 14 
 
      [30.Juli 1875] 
Freifrau von W. 
Madame! 
Da ich vermute, Sie haben alles, was unser armes Land betrifft, auch dessen Sprache, vergessen, möchte ich mit holden  Tönen mich an ihr Ohr wenden!  

Tausendfachen Dank für die Grüße, die Sie sandten im Briefe an unseren lieben Freiherrn, in dessen Stelle ich niemals die letzten Tage der Woche überlebt hätte.  
Ach! Wenn Sie wüßten, was es sagen will, wenn man keine Illousionen mehr besitzt!  
Ich betrübter armer Tropf, hatte schon meine Alexandriner fertig, die auf folgene Art begannen:  
 Nach so langer...................................sei wieder gegrüßt!  
Ich erinnere mich nur an den Reim: ...erwartet!  
Oh! Wir sind wie zwei alte Junggesellen! Es gibt kein Restaurant, das wir nicht besucht haben in dem vergeblichen Versuch, unsere unruhigen Seelen zu stillen....  
Mein Gott - Die Stunde hat geschlagen und wir dürfen nicht das Schiff verpassen.  
  Kommen Sie jetzt zurück  
  Und seien Sie  
  Wieder gegrüßt  
  So lange erwartet  
  Und jetzt  
  Vorwärts!  
  Es geht  
  Unser Schiff  
  Ach und Oh  
  Was gibt es mehr -  
  Herr Baron  
  Nehmen Sie meinen Brief  
  Mon Dieu!  
  Adieu  
   Pardon!  

Ihr 
August Strindberg(64) 
 


  

 

August Strindberg fühlte sich in seinen Gefühlen gegenüber Siri von Essen verwirrt und unsicher und wollte, jedenfalls für eine Weile, fortkommen aus Stockholm und dem täglichen Umgang mit  ihr. Er wandte sich an Rudolf Wall  (1826-1893), 
Zeitungsmann und Schriftsteller, Gründer und Redakteur von DAGENS NYHETER, der bedeutensten Tageszeitung in Schweden. Der Brief kann möglicherweise vom Frühjahr 1875 sein, aber wahrscheinlich ist er im Frühherbst 1875 geschrieben. 

Brief Nummer 15 
Bester Herr Wall! 
Als ich neulich in Eile mit Ihnen auf der Nordbrücke zusammenstieß,  ging ich in ernsthaften Gedanken, mein  schon allzu langes und unnützes Leben abzukürzen,  
dieses nicht so sehr aus gültigem  Grunde, wie eine schlechte Ökonomie, denn die ist so ungefähr stabilisiert, sondern eine mit Frostzittern(65) zusammenhängende,  
nicht zu überwindende Schwermut, die wirklich das Dasein bedroht und eine entsetzliche Untätigkeitslust hervorbringt und daraus folgenden endlosen, oft recht treffenden Gedanken über die Sinnlosigkeit des Ganzen.  Gerade da gaben Sie mir den Gedanken, zu reisen, und dieser Gedanke hat mich seither am Leben gehalten.  
Indessen kenne ich weder Könige noch Minister - der Gedanke ist also verbraucht oder verspeist und ich kann von ihm nicht mehr leben. Davor wollte ich Ihnen, Herr  
Wall, der wohl, so scheint es, der Einzige ist, der glaubt, ich könnte etwas werden auf dem Schreibwege, ein  Geschäft vorschlagen! Kaufen Sie mich - lebend, ich bin sehr billig. So hier habe ich mir das gedacht. Herr Wall schickt mich für einen Monat nach Paris. Wenn ich nicht in dieser Zeit etwas Ausgezeichnetes an die Zeitung heimgeschickt habe, so soll ich nach Belieben verkommen. Anderenfalls  
könnte ich einen weiteren  Monat bleiben und Kunst und Theater studieren, um das, nach dem Heimkommen, in der Zeitung  anwenden zu können, welche auch von mir  
mit Atelierklatsch von zuhause und Kunstnotizen aus dem Ausland versehen werden wird.  Meine Stellung in der Bibliothek würde meinen Worten Nachdruck  
verschaffen, da ja die Vorstellung  die dienstbaren Geister der K.B. zu den Gelehrten zählt.  
Ich glaube, der Aufenthalt in Paris, der demoralisierende Einfluß, würde gut auf meine Schreibweise einwirken, den Schilderungen Farbe zuführen und dem Ton die  
erforderliche Gewissenlosigkeit - ich glaube, ich könnte ausgezeichnet werden, wenn ich leben darf denn mich treibt nunmehr keinerlei Überzeugung und ich glaube, die französische Betrachtungsweise werde mich total befreien von der Schwermut, die ungesunde Gedanken hervorbringt über das Leben, das will sagen: sterben, verhungern für Ideen, ein schöner Name für sture Tendenzen wie verrückt  
auch immer.  
Möchte Herr Wall mich als eine Art Zuchttier nehmen, der  noch auf  Zuwachs steht? Solch  ein Angebot wage ich zu machen, nachdem ich schon andres seltsames Benehmen Ihnen gegenüber durchgemacht habe! Es zeigt sich, ich bin nicht so schüchtern, wie sie behaupten. Aber ich bin scheußlich krank im Gemüt, und deshalb kann ich verstanden werden.  

Weil ich zusammenhändend immer noch nicht soviel reden kann wie auf diesem Papier steht, habe ich mir die Freiheit genommen zu schreiben.  

Wenn Herr Wall so barmherzig sein könnte und die Ablehnung mir schnell mittelen würde, so kann ich mir was Neues ausdenken und darüber nachgrübeln, wovon ich  
dann lebe, denn dieses hier fängt an bald alt zu werden.  

Ich möchte zum Schluß bitten, dieses nicht als Salmonibrief(66) 17 , sondern nur als Geschäft aufzufassen - oder ganz einfach, ich biete meine Arbeit an und führe  
milderne Umstände an.  
      Mit ausgezeichneter Hochachtung  
      Ihr August Strindberg  

Die Verbindung zur Familie Wrangel vertiefte sich und wurde für Strindberg zu einem gewissen Fixpunkt, der ihm die Familie zu ersetzen begann. Der folgene Brief ist zur Hälfte von August Strindberg auf  Deutsch geschrieben worden, und der 
deutsche Teil ist unverändert wiedergegeben. 

Brief Nummer 16 
      Hölle Sept 1875. 
Herr Jesus von Nazareth!  
  Himmel,  
   Milchstrasse, auf der  
  rechten Hand (vom Gott gerechnet!)  
Hochgeehrter Herr!  
Bei dem execrabelsten Herbstlaune nehme ich mich jetzt die Freiheit Ihnen auf dem  miserabelsten Jüden-Teutsche zuzuschreiben, vermuthend dass Sie ihren Mutter-  
und unser Diebssprache noch nicht vergessen habe, da Sie ja einst in dem  wunderlausigen Judenlande gelebt, und ebendaselbst durch dem Überstatthalteramt  
Ihnen krucificieren lassen.  

Ich kenne Sie, oder ich habe Sie recht gut in meinen Kinderjahren gekannt. Dann  war ich toll genug Sie für einen s.g. Gott zu halten, und konnte vor Andacht gar  
nicht helfen dass ich am Weihnachtsabend um ein grünes Fichtenbaum tanzte, in  welchem Mann kleine Zuckerochsen und schöne gelbrothen Pastetenferkeln  
aufgehängt mitgesamt sehr schlechte und sehr schmale Wachskerzen.  Ei nun war es  so verdammt sentimental und so höllig ochsartig. Was sollten die tollen thierchen  
auf Ihnen alludieren.  

Sie sind doch ein sehr guter Verfasser gewesen. Ihre gesammelten Schriften habe  ich manchmals gelesen, als sie ja so recht viele Ausgaben durchgegangen, aber jetzt  
sind sie nicht mehr  en vogue und Mann ennuyiret sich daüber.  

Ich will Ihnen über ein sehr wichtigen Punkt um Erklärung bitten. Man hat  behauptet, ganz effectivement, dass Sie alle Schulden der Welt  bezahlt haben Es  
kann doch nicht wahr sein. Ich habe doch recht theure Schulden und wird täglich  von Schumachern, Schneidern und andre Teutschredende Menschen visitieret,  
welche auf Ihren gesammelten Schriften Eid ablegen wollen dass Ich niemals meine Schulden bezahlet habe. Man hat also gelogen? Nicht wahr? 

Kennen Sie den lieben Herrn Heinrich Heine? Ich bitte Sie grüssen. Es war ein sehr guter Mensch mit einem schlechten Rückenmark und er wäre ein grosser Mann 
genannt worden wenn Er sich auf einem Kreutze drei Tage hängen lassen anstatt durch acht Jahren im Bette zu torturen. 
  
Aber das war nicht die Sache! Ich habe sogar einen lustigen Brief empfangen, wovon ich will Ihnen was erzählen! Sehen Sie nur(67) Finland! Es ist ein sehr schnurriges Land  wo man nur lieben kann. Lieben! Wissen Sie was das kleine Wort bedeutet. Nein, es ist wahr, Sie haben niemals geliebt als den lieben Gott Vater. Fragen Sie doch dem Herrn heine; er hat davon was zu erzählen ob Er nicht schon alles gesagt! Nun also! Ich liebte, Ich alter Teufel liebte, 
ein junges Mädchen(68) und es war ja nichts böses dabei; und ich schrieb sehr schöne Worten und seufzte manche theure Seufzen und weinte recht grosse Thränen und 
wollte fast vor Liebe vergehen. Da kommt aber ein langer Mensch  mit einem ausserordentlich schönen Stimme(69) und sagte dass ich zum Henker gehen solle oder er wolle mich mit einem guten revolver, Mich, Sich und Sie, alle vor dem Kopf schiessen; Er hat sie durch drei Jahren geliebt und Sie hat Ihn zwei Jahren geliebt; und jetzt nennt er mich Bösewicht. Die ganze Geschichte ist so urälterlich und kann nicht den alten Herrn H länger amüsieren; aber Sie liebt ihn! Was soll das bedeuten?  Und ich liebe Sie und Sie - ja  das geht nicht! Ich reise nach Paris im Anfange des Oktober und - Verfluchte Liebe! Verdammte Nervenerschütterung eines Frühlingserwachenden Jugendkörpers, Funke des Höllenbrandes! - Höllen! Oh 
bitten Sie euren Vater einst zur Hölle zu schicken, denn ich habe ein unaussprechliches  Bedürfnis der Liebe; Da will ich in den ewigen Flammen, die blassrothen, Jungmädchenbacken-rothen, ewigglühenden, treuherz-dauernden Flammen - Sie sind ja ewig? - mich wälzen, denn ich kann nicht ohne Liebe leben! 
Lassen sie uns in Ruhe! schreibt Er! Uns! 

Und sie liebt Ihn! Wehe den Weiberkindern...aber ich liebe Sie doch; sie hat mich bekehret zum Glauben, zum Leben, Hoffnung - alles - - - Jesus Christus! Retten Sie mich! 
  

      1 Uhr nachmittags 
Mit einem Bauern zusammen habe ich unheimlich getrunken - und von den 
Rinderpreisen in Västerås gehört - Mein Gott - 

[Ende des deutschen Textes im Originalbrief] 

Liebste Freunde! 
Da es in der Welt noch zwei Menschen gibt, die mich nicht verdammen, die mich noch nicht verurteilt haben - aber abwarten! Es wird kommen! 

Und Ihr fragt mich, warum ich reise! 
Ich habe mich so lange bei Euch beklagt. Ihr habt genug! Deshalb dachte ich, Obenstehendes zur Sammlung zu legen - aber ich mußte mich mitteilen, wenn es auch nur auf einem Zettel Postpapier wäre! 
Lies das Beigelegte(70) und verdamme mich! Meint Ihr nicht, so wie ich, mein Weg sei vom Schicksal bestimmt, andere Schicksale zu kreuzen - daß ich geboren sei, von 
anderen verdammt zu werden, ich, der ich mein Leben geben will, einen Menschen glücklich  zu machen! Mache ich  nicht der Menschheit einen Dienst, wenn  ich 
mich in größter Stille entferne - Man kann es nicht von Paris hören, falls man  einen Schuß abgibt und ein leben befreit - 

Ich sagte Ihnen  einmal, daß Satan mir Pate stand. Das ist wahr!  Aber wer stellte ihn in meinen Weg! Wer bat den Engel, zur Hölle hinabzusteigen, um einen Teufel 
zu retten! Kann ich kein Engel sein, wie ich es will - wie ich es aus meiner ganzen unsterblichen Seele begehre - ich , der das Böse wie wenige haßt - dann habe ich nicht genug Kräfte über, um groß wie ein gefallener Engel zu werden - 

Lebtwohl! Jetzt bin ich gerettet! Jetzt bin ich ruhig! Ich habe Gewißheit erhalten - Klarheit - denn ich glaube - ich glaube - an das Schicksal! Aber noch hätte der 
Teufel einen andern wählen können zu solch einer verdammten Aufgabe -  Was soll ein Verzweifelter tun? Beten! antworten die Schwachen, die armen Seelen, die daran gewöhnt sind, alles zu bekommen, was sie von Papa und Mama erbitten! 
Zu wem? Jesus! Leider verwechsle ich ihn immer mit seinem großen Landsmann(71), der achtmal mehr gelitten hat als er! 
Zu Gott? Er antwortet doch nicht! Er hat mir nie geantwortet  das ist nicht nur herzlos - das ist unhöflich. 
Und Sie fragen mich, warum ich reise! 
Ina ist ein Engel. Lange ist eine Persönlichkeit - sagen Sie es nur heraus - ich - Ihr Strindberg ist ein Lump - nein, sagen Sie es nicht, bevor er gereist ist! 
Bin ich also ein so elender Lump, daß auf der ganzen Welt keines vom Weibergeschlecht niedrig genug für mich wäre. So scheint es! [---] 

Und dazu wirft er mir  in seiner Siegesgewißheit ein Allmosen in einem Postskriptum entgegen. Das hätte ich in meiner Seeligkeit niemals tun können! Und den liebt sie! Ignobelt! Wenn er wüßte, daß ich ihn mit einem Wort vernichten könnte, würde er nicht eine solche Sprache führen - Das weiß er! Und doch! Er liebt! Gott segne sie! 

Ich bin zu stolz, mich zu bemühen, um das eigne Geschick zu wenden, das mich zwingt zu zerstören und verbannt zu werden! 

Dies habe ich Ihnen sagen wollen, die  -  ich glaube - (in dunklen Stunden glaube ich nunmehr nichts) noch eine Art bessere Gedanken über mich hat - sollte es 
geschehen - ich meine, wenn Sie in Ihrem Heim einmal die Personen, denen ich den Weg zum Glück verstellte, empfangen werden, so werden  - Sie mich noch mehr 
verachten! 
Vergessen Sie mich bitte so schnell es geht! 
Verzeihen Sie, daß ich Sie weiter als meine Vertraute benutze - ich bitte um kein Bedauern - nichts. außer daß ich weiß, ich bin nicht allein - Es war ein schrecklicher Brief, den er schickte und mich in Erschütterung versetzte. 
Jetzt ist es vorbei! 
 

Strindberg  hatte am 7.Oktober 1875 seine durch Schreibaufträge finanzierte Schiffsreise nach Paris angetreten, aber die Fahrt bereits in Dalarö, südöstlich von 
Stockholm, unterbrochen. Noch am selben Tage schrieb er nachfolgenden Brief an Carl Gustaf Wrangel. 

Brief Nummer 17 
        Dalarö, Donnerstag [7.] Oktober [1875] 
Treuer Freund! 
Vom Krankenbett in Eile - Das Fieber kommt! 

Der Herr hat mich geschlagen - Saul, Saul, warum verfolgst Du mich, sagte Sein Diener(72), der mich gerade verließ - ich durfte nicht abreisen - Jetzt, nachdem ich 
Ihn, meinen Heiland gefunden habe, verstehe ich alles! Und erleide alles mit Freude. Dreimal hat er mich  vorher heimgesucht(73); Das kennt nur einer, der nun weit weg von hier ist und ein anderer, wo der ist, weiß ich nicht - 
Höre mein Geheimnis - 

Östlich von Dalarö liegt eine Insel - ich habe von den vielen Fahrten dort hinaus erzählt - auf der Insel ist ein Berg - droben auf dem Berg steht eine Föhre, von der 
ich die Spitze abgehackt habe - auf dem obersten Zweige hängt ein Band mit Steinen daran und ein Stab, der einem Speer gleicht - sitzt man auf dem Baumwipfel, unter 
sich Fichtenwald und dahinter das Meer - dort predigte ich und hatte meine Anfälle - da ich an meiner Krankheit litt!(74) 
Diese letzte Zeit habe ich unter scheußlichen Gemütserschütterungen gelitten - - 
Meine ganze Seele ist mit ihrer verwachsen - jede kleine Sache steht ihretwegen auf seinen richtigen Platz, um es für sie angenehm zu machen - ihr Geist, der dort 
wohnte -diese Blumen, die ich pflegte - die Dornenrose, die als erste von den Sieben blüht, die Kleine mit den zwei Stämmen, es war dieselbe, von der die Blume 
stammte, die sie in ihren Haaren trug - Von diesem Fenster - alles wird fortgerissen - Glaubst Du nicht, daß eine Seele - eine so kleine Einrichtung, wie eine Seele entzwei gehen kann - Ich bekam  meinen dritten Anfall auf dem Dampfer: es beschäftigte uns sieben Stunden, bis Dalarö, ich erregte Aufmerksamkeit - man bewachte meine bewegungen, bis  ich meine Situation einsah und den Kapitän bat, 
mich an Land zu setzen - - seitdem hat es mich von  den Geistern hinaus zwischen die Bäume getrieben, das ist das gewöhnliche - verschone mich - - - 

Gott hat mit allem eine Absicht! Ich gehorchte nicht seinem Ruf, in seinen Dienst zu gehen - Du erinnerst Dich der Zeitung  für seine Sache - ich wollte meinen sündigen 
Willen durchsetzen. Man zeigte mit dem Finger auf mich, als ich hierher kam - man saß im Fenster, 
wenn ich hinausging - die Kinder schrien - die Aufwartefrauen stehen hinter den Gardinen und beobachteten mich - man hatte die ganze Nacht über mich gewacht und Licht angelassen - 

Es gibt keinen, der sich  nicht größer und glücklicher ansieht als mich, der keinen Verstand hat - der Pfarrar, ein Mann des Geistes, mit einem lebenden Glauben, hat 
an meinem Bette gesessen und mir beigebracht, zu erleiden -Ich bin bedauernswert, aber begehre kein Mitleid - ich werde den Kelch leeren - 

Das Schlimmste, aber es ist unausweichlich - wenn ich mich aufraffe - wir müssen uns trennen - ich muß einsam sein mit meinem Gott - Ihr wart meine Götzen - solche darf man nicht haben - Sie wollte mich nicht retten - Gott ließ es nicht zu - er wollte mich selbst haben - Mit Euch durfte ich über sie reden  - das  darf ich nicht mehr - ich habe von allem Abschied genommen - meinen schönsten träumen - Siehst Du - ich wollte in eignen Angelegenheiten reisen und der herr verwandelte diese Reise vom  irdisch-vergänglichen zum großen Ewigen - O wenn Ihr wüßtet, wie es noch in meinem Herzen  blutet - wie schwarz ich Euch erscheinen  müßte;  aber, so will ich 
es haben - je mehr man mich verwirft, desto tiefer leide ich und desto reiner wird meine Versöhnung -  Aber  habt Gnade und hütet mein Geheimnis - Denk, wie schrecklich, ich weiß ja, welchen Augenblick auch immer, die  Dunkelheit über meine Seele  fallen kann! Und meine lieben Schwestern und mein alter Vater - gibt 
es keine Heilung! 

Sollten sie etwas erfahren? 
Ich  meine, ich habe eine Periode hinter mir gelassen und bin bereit, eine neue anzufangen! Gibt es eine Neue? Habe  ich nicht alle schon durchlaufen! Mein Gott, ich kann nicht von vorne beginnen!  Es war einmal im Mai, als ich spürte, ich hatte Kraft für alles! Oder sind es nur wohltuende Herbststürme, die einem neuen Frühling vorangehen - aber Schnee! 

Ich nannte Sie Christus, gekommen einen Sünder zu erlösen!  Ich bin bestraft! 

Er sprach auch über Sünde  gegen den heiligen Geist, der Mann mit dem Glauben! 
Ich fragte ihn, ob er glücklich sei -  er antwortete ein zuverlässiges glaubenfestes Ja! 
Ich schaute in seine Augen! Er sprach wahr! Dann gibt es also Glück in der Welt - Ja, bei Jesus Christus!  ich habe  früher nur von einem gehört, der zu behaupten 
wagte, ohne Christus ganz glücklich zu sein? Das bedeutet wohl etwas; ich werde es versuchen! Gelingt es nicht - so habe ich Gott - Habe ich? Wo? Er hat mir niemals 
geantwortet! 

Siehe der Satan hat deine Seele begehrt, möge er sie wie Weizen sieben - aber ich habe dich erlöst, sagte er! Das war  ein millionstel Tropfen Trost. 
Ich bin gewisserweise glücklich, ich fühle, meine Vernunft ist gerettet, aber - oh, ich bin bankrott - ich bin geschlagen -ich werfe mich dem in die Arme, der mich haben 
will, Gott, Christus - das Opfer ist, an das Unsinnige zu glauben - Die Vernunft soll geopfert werden - was heißen soll: der Hochmut - Das ist nicht Christus auf 
Golgatha - Das Opfer ist an ihm zu glauben - 

Was bedeuten die Domkirchen in Antwerpen und der Kunstmist im Louvre, wenn ein Mensch an seiner Seele schaden nimmt - Ich habe gegen Gott Aufruhr gemacht - ich habe gelästert - ich habe gegen ihn wie Jakob gekämft - Saul! Saul! wurde doch nie gerufen - aber jetzt ist meine Hüftsehne gelähmt - Bedauert mich und vergißt mich - 
edelste unter den Menschen - das seid ihr, denn Ihr habt niemals Gottes Abbild verunglimpft so wie ich es in mir besudeln wollte - Euch werde ich niemals vergessen, denn Ihr habt mich errettet vom Glauben, alle Menschen wären schlecht - Gott versprach einmal, eine Stadt zu verschonen, wenn es der Gerechten zwei gäbe - Wenn er Ihre Stadt strafen wollte, so werde ich ihm sagen: Halt ein! hier gibt 
es deren zwei und noch mehr, denn sie haben einen, den sie gleich gut machen werden und der die Menschen lehren wird, sie müssen nicht schlecht sein, wenn sie 
es nicht wollen! 

Ich habe Deine Telegrammantwort bekommen, wer würde antworten, wenn nicht Du! Du, der Einzige, der am Strand stand und mir zum Abschiede winkte, zu meinem neuen Leben(75) - Ja, Du, es  wurde neu, oder es wird werden - denn ich verlasse nicht Dalarö und Sturm und Wogen -  Hier draußen habe ich  einen Bekannten getroffen, der hier aus dem gleichen Grunde ist: Seinen Kopf pflegen - 
armer Junge - ich verlasse es nicht,  bevor ich nicht meinen Kampf auf Leben und Tod ausgekämpft habe - Warum mußtet Ihr mich kennenlernen? Schuld hat der 
finnische Troll - ich bringe Euch doch nur Kummer, denn ich glaube, Ihr grämt Euch über mich - 

Ich habe an meinen Bruder schreiben lassen, daß er mein Zimmer abschafft - das will ich nie wiedersehen(76) - Sollte ich krank werden, laß ich mich zur Diakonissenanstalt auf der Catharina Östra Kyrkogatan überführen, wo ich gute 
Menschen finden werde - dort kann ich jedes Schiff sehen, den gleichen Weg kommend, wie ich  und sehen, was ich einmal beim Sonnenaufgang sah, als alle Fenster in Flammen standen. 

Ich küsse Eure Hände mit meinen von ungehörten Gebeten brennenden Lippen - ich küsse Eure Hände mit meinen  vom Seufzen des Verzweifelns eisigen Lippen - ich 
küsse Eure Hände, edle Menschen, mit der ganzen Verzweiflung eines zum Leben geretteten - und Euer Kind - ach Nein, halte es weit von mir - ich bin nicht würdig! 

Carl, in diesen kleinen Opfern liegt mehr als man in Worten sagen kann - Deine Freundlichkeit hatte mich mehr aufgerührt als etwas andres - weil, siehst Du, weil 
ich zu wenig Feingefühl hatte - Ihr glaubt, daß ich (da in meinem Zimmer, als Ihr die bösen Geister mit Eurer Anwesenheit in die Flucht getrieben hattet - wollte ich 
Euch so viel sagen - so viel) - ich nichts hatte - gefühllos war - Ihr sahet mich nicht, als ich dann heimkam - 

Wir nahmen Abschied - und das war ein Abschied wie er nicht gedacht war - denn den Ihr demnächst treffen werdet, ist nicht mehr derselbe - wenn er auch für Euch 
die selben Gefühle empfindet - 

Lies mitfolgenes(77) - es hat meine zerfleischte Seele für 2 Stunden befriedet - wird es andauern? 

Vergeßt mich! Laßt Euer schönes Heim nicht von einem unreinen Geist durchströmen - Schließt Eure Türen für meine Sorgen - laßt mich gehen - oder falls wir uns treffen, erwähnt niemals einen Namen, der für mich jetzt eine Unwirklichkeit sein muß - lest darüber im Friedlosen und verzeiht mir - 
  
Manchmal finde ich mich einer Nacht in Gethsemane würdig! 

Friede sei mit Euch! 
Glaubt nicht, ich sei so Dichter, wie Eine es glaubt! 
         Lebt wohl 
        Früher Euer 
     August Sbg. 
 

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