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Im nächsten Brief an seinen Cousin schreibt
August Strindberg über seinen Einakter "I Rom" (In Rom). Der Brief
ist aus dem Frühjahr 1870, allerdings undatiert , in Uppsala geschrieben.
Hiermit der Fötus! Möchtest Du so gut sein und es einliefern an Wijkander(16), wenn Du es gelesen hast! Aber schnell - denn jeder Tag ist teuer, nun da die Spielzeit schnell zu ende geht - Du meinst vielleicht, es ist weniger ehrenhaft, nicht zu Hedberg zu gehen - aber ich will die strenste Anonymität beibehalten und an Edholm(17) zu schicken ist sinnlos, da er im Schloß Dienst tut - Übergibst Du es persönlich an Wijkander, so bin ich Dir zu Dank verpflichtet - denn es könnte geschehen, daß der Bote nicht seinen Auftrag richtig durchführt. Im beigefügten Brief an W. steht die Adresse:"Signatur Erling Skålaglam Stockhs Nation Upsala" - Ich bitte Dich, halte dieses heimlich bis die Zeit kommen wird, wenn alles offenbart werden soll - Lebwohl! Schreibe so schnell wie möglich, wie es gegangen ist - aber die größte Eile ist angemessen. Hast Du das verstanden! Freundlichst August Unmittelbar nach der Premiere in Stockholm, "In Rom" war am 13.September 1870 am Königlichen Theater uraufgeführt worden, kehrte Strindberg nach Uppsala zurück. Kurz darauf schrieb er an seinen Cousin Oscar folgenen Brief: [September 1870]
EINE angenehme Wirtin - hier folgt meine Introduktion
und Präsentation vom gestrigen Abendessen. Frau Rektor Lindgren(18),
eine Witwe in ihren besten Jahren mit vorteilhaften Aussehen und
angenehmer Art - agiert Gastgeberin für eine größere
Gesellschaft bestehend aus: einem langen Pfarrar (3 Aln(19)
und eine Handbreit), der dreizehn Stunden am Tag die
Pastoralen liest und bei Tisch gern über Politik
redet, dann einige Studenten der normalen Sorte mit ihren verlebten
Burschenphysiognomien, darunter also zwischen den Studenten der Bruder
Lindberg, der mit Deinem Hauswirt befreundete und Akzeptunterzeichnerbeistand
- weiter eine Abteilung Scholares, die nicht vorgestellt wurden,
sondern sich auf ehrfurchtsvollen Abstand hielten, bis zum Angriff,
da sie unverzüglich die wohlgefüllte Speisentafel zernierten
(Prachtvoll) - Unter den Studenten gab es einen, der meine
Aufmerksamkeit auf sich lenkte durch die andachtsvolle Art, wie er
sein Tischgebet "ausübte" - ergab so einen Blick(20)-
machte das Freimaurerzeichen mit den Händen und versah sich
dann reichlich mit den Gaben Gottes - wonach die selbe Prozedur
wiederholt wurde - mein Verdacht verstärktes: der Kerl war ein
Frömmler (Juchhe!) - Nach dem Abendessen zog man in den Salon
- man setzte sich um einen Tisch und denk Dir meinen Schrecken,
als man Bücher mit schwarzen, höchst verdächtig aussehenden
Einbänden hervorholte - eine feierliche Stille herrschte
im Raume - Pastor H. sah schlimm aus - die Frau andächtig - unter
meinem verschlissenen Sakko liefen eisige Schauer das Rückrad entlang
- als eins, zwei, drei die Marseillaise gespielt wurde - Und nun
war die Politik in vollem Gange - und die schwarzen Bände waren
Bildbände nicht religiöser Art - der Abend verlief mit
angenehmen Späßen und Gesprächen, besonders nachdem der
Frömmler verschwunden war - der Pfarrar war eine fröhliche
Seele - und alles war gut! -- -- Hiermit dem Kolporteur(21),
Erik XIV(22) hat heute aufgehört
zu sein - vielleicht fliegt er eines Tages, wie Phönix verherrlicht
aus der Asche - S.B.U. Könntest Du so gut sein, und mir auf
eine oder andre Art meine Galoschen schicken, sie sind in deinem
Flur und die Bücher, die im Schuppen liegen - entweder nach
Riddarholm oder Loviseberg(23) -
Frage bei Gelegenheit Maria, wie sie ihren Text haben will(24)-
entweder vollständig ernst oder mit einem komischen Element
und laß es mich schnellstens wissen, sonst kann ich nichts
anfangen - Erinnere sie, daß sie mir ihr Portrait versprochen hat
- Weiter grüße alle Bekannten und sage ihnen, daß
[ich] mich wohl fühle - wie ein Pferd lese und bald in die
Prüfung gehen werde, wenn ich nicht davor mir das Leben nehme
- Sela!
Der Freund
August
Mehr das nächste Mal, wenn die Nerven sich beruhigt haben! Heute ist es schrecklich dunkel und ich bin ein wenig ängstlich vor mir selbst, wenn der böse Geist mich bestürmt - Bitte Frithiof leeren Platz zu lassen, für das, was er noch nicht lesen kann - dann kann ich das Manuskript zugeschickt bekommen - An eine Inkonsequenz kann ich mich erinnern - es steht Demagoge - und dort sollte Kreon stehen - ändre das - Schreibe bald und berichte, was "das Volk so sagt"(25) Schreibe sehr bald. P.S. Der Brief bestand aus zwei Bögen - bei reiferer Überlegung liefere ich den ersten mit kolossalen Torheiten - Ausbruch von schlechter Laune u.s.w. - nicht aus. Mehr folgt recht bald. Direkt an diesen Brief schließt sich der nächstfolgene Brief vom 20.September 1870 an. Der 20. im Herbstmonat 70
Du weißt nicht, was es mir für Vergnügen macht, einige Zeilen aus dem lieben Stockholm zu erhalten - Danke für die letzten -! Ich habe das Rezensentengewimmer verfolgt - nur Sphr steht noch aus(26) und alles ist wieder still wie früher - und ich bin bei ruhiger Besinnung zufrieden und ich glaube, man hat mir Gerechtigkeit zukommen lassen - das meine ich ernst! Basta! Ich langweile mich schrecklich in dieser Stadt und der erste Teil meines vorigen Briefes enthielt nur Klagelieder - wovon Du vielleicht selbst genug hast - es war mir eine wirkliche Freude, daß Du Deine Sache bezahlt bekommen hast, und ich achte und schätze Dahlström(27), obwohl er mir unbekannt ist! Mein Zimmer ist ziemlich groß und recht ungemütlich mit wenigen Möbeln, Aussicht auf eine Straße und die verd... Fyrisebene - es ist gerade sie, die mich so widerwärtig anödet - ach, oft wandre ich das Flüßchen hinab und werfe meine sehnsüchtigen Blicke hinüber, über den Bergsbrunnerwald - dahinter liegt mein Heim - denn das ist für mich Loviseberg(28) - dort liegen die fröhlichen Wohnungen der Künste - wo ich hier nur die finsteren Winkel der Wissenschaft finde - Dort drüben wohnen Freunde - wirklich teilnehmende, die mich vielleicht verwöhnt haben durch ihrer Nachsicht mit meinen teuflischen Launen und kuriosen Einfällen - die aber sich die Mühe auferlegten nachzuprüfen, ob unter der harten Hülle ein Herz sich verbirgt, das leider nicht immer die warmen Gefühle herausläßt, die es besitzt - hier gibt ie heiße und harte Umarmungen - die aber aufhören, wenn der Rausch vergangen ist - und die Spuren punschschmieriger Hände am Sakko hinterlassen! Kann sein, ich bin schwierig. Verzeiht einem Jüngling sein vorzeitig verbittertes Gemüt, Ihr Menschen, die diese Sünde auf Euer Gewissen habt! Nach dem Abschied war mein erster Gedanke, als ich Deinen wohlbekannten, grauen Hut und Nisses wohlrasierten Schwanzstummel(29) hinter dem bläßlichen Gemäuer des Frauengefängnisses verschwinden sah; Wohin wirst Du gehen? Nach Uppsala. Was, zum Teufel, wirst Du da tun? Studieren! Wozu das? Ich weiß es nicht! Was sollst dann dort? Studieren! Das lügst Du! (Der Souffleur GEWISSEN: Ja) (Ich laut:) JA!(30) In acht Tagen werde ich meinen Beschluß gefaßt haben, bis dahin hälst Du den Vorhang runter! Hörst Du das! Es ist schön merkwürdig, zu sehen, wie die Studenten ihre Zeit verbringen - höre! Direkt mir gegenüber wohnen fünf von der Sorte: Gegen zehn am Morgen werden die Gardinen aufgezogen - Toilette und Frühstück bis 11 Uhr, und dann sitzen und liegen sie auf Sofas und Stühlen bis 2 Uhr, da sie ausgehen und Mittag essen - was sie den ganzen Vormittag treiben, weiß ich nicht, sie sitzen nur und reden und rauchen Pfeife - niemals sieht man ein Buch am Tage und nie Licht am Abend - Nachmittags, wenn keine Vorlesungen sind, weilen sie immer auswärts - wo? Frage die Kellermeister! Du mußt nicht glauben, ich durchstehe solch ein selbstmörderisches Leben - Nein, mein einziger Trost ist das Buch! Das will sagen: nicht das Buch, das zum Examenstisch führt, sondern das Buch, welches mir Einfälle für kommende Arbeiten auf dem Feld geben wird, das ich bestellen werde! Im Augenblick erfüllt mich die Idee zu einem schwedischen historischen Trauerspiel im romantischen, z.B. in Hedbergs Stil(31), daß ich keine Ruhe finde, bevor es fertig ist - aber ich bitte Dich, kein Wort darüber - Mein Gewissen wird zum Verstummen gebracht durch die Überzeugung, ich wende meine Zeit auf die beste Weise an! Ich beabsichtige, nicht mehr solch Kleinkram zu schreiben, den Hinz und Kunz schreiben und der nur Ärger einbringt - Apropos! Mein Versprechen an Maria plagt mich gräßlich - der Plan ist fertig und gestern wollte ich ein Frühlingslied schreiben - für ein junges Mädchen, aber es mißlang - denn wie soll man von Schlüsselblumen und Veilchen sprechen, wenn der Herbstwind das Laub von den gelbgewordenen Bäumen reißt und wie soll man warm ums Herz sein wie an einem Frühlingstage, wenn man in die Finger blasen muß, um den Schreibstift halten zu können, und was schlimmer ist, wie soll ich über eine Sache dichten, wenn die Seele von einer andern erfüllt und ergriffen ist - sicher muß man Maria um Verzeihung bitten, für ein voreiliges Versprechen! Wenn sie eine Romanze oder eine Ballade mit Herbststimmung haben will, so gerne - unter allen Umständen, bitte sie um Vergebung - um meinetwillen u.s.w. - Ich werde einen ganzen "Zyklus" dichten, "Blätter" aus ihren schönen Augen, um sie zu soulagieren, falls sie böse mit mir ist - Vielleicht hilft das nicht! Nun, dann wird sie, bevor sie reist, ein Trauerspiel von mir vorgelesen bekommen, wenn ich Ende Oktober nach Stockholm komme - was ich auf jeden Fall tun werde, egal ob Hochzeit oder nicht(32) - Heute bekam ich Motala Tidning mit einer Prachtrezension des "Freidenkers", Du wirst sie bei Gelegenheit bekommen(33) Mach weiter mit Kolportören - ich glaube das wird gut werden!(34) Hast Du schon nach Göteborg abgeschickt(35) Viele Grüße an alle - und verspreche, nichts zu äußern, wovon ich Andeutungen gegeben habe - mehr demnächst! Grüße Calle B. & T. - und bitte nochmal Maria, nicht grausam zu sein - das ist eine meiner Eigenheiten, Versprechungen zu brechen - das ist nicht schön, aber, zum Teufel, was soll man machen! Wird es Hochzeit geben - so daß man einen Vorwand zum Reisen bekommt? Freundlichst August P.S. Mein Wortbruch braucht doch kein Präjudikat für Maria sein, ihres zu brechen bezüglich eines Konterfeies, welches ich von ihr bekommen sollte. Der 8. im Schlachtmonat
1870 [ =Oktober]
Danke für Deinen ersehnten Brief. Jede kleine Erinnerung, daß es mitfühlende Menschen gibt, ist wie ein Sonnenstrahl an einem windigen Herbsttag - Heute war ich in der Hölle der tiefsten Seelenqual - genau so war es gestern und genau so wird es morgen sein - das hier endet nicht gut - mich treibt solch eine Unruhe, daß ich es nicht aushalte, mit mir allein zu sein - sondern ich muß mir einige Menschen suchen, mit denen ich sprechen kann - deren Trost ist unzureichend - Höre meine Beichte - ich --- --- --- bin verliebt - vielleicht - ach nein - solch Kleinigkeiten kriegen mich nicht(37) - Nein, schlimmer! Ich zweifle an meiner Berufung - vielleicht sollte ich Volksschullehrer werden - vielleicht ist meine eingebildete Berufung zum Verfasser bloß ein Phantasiegeschöpf! Schau, meine tristen Betrachtungen! Vorgestern abend - ich war bis zum 2ten Akt des "Blodsven" gekommen und beim Durchlesen befand ich denselben als schlecht - Vorgestern abend - verurteile mich nicht zu streng, war ich zur Überzeugung gekommen, daß mein Leben verpfuscht ist, ich keine Zukunft habe - die Giftflasche stand bereits auf dem Tisch - ich konnte mich nicht mehr im Zaume halten - Der Tod wäre mir eine Freude - noch einige Augenblicke und die Welt wäre einen mißglückten Poeten quitt gewesen - ein unruhiges Herz hätte doch noch Ruhe gefunden - einige Freunde hätten mir eine Träne geschenkt und mich vergessen - aber dann kam ein Kamerad(38) , erfaßte meine Belegenheit - und wollte mich trösten -und da er mich nicht verlassen wollte, mußte ich ihm ins Gasthaus folgen - dort, meinte er, war die Freude des Lebens zu finden - er meinte es wohl doch nicht so, aber er wollte meine Verrücktheit betäuben - ich war ohne Willen - eine Branntweinflasche wurde zu zweit geleert - sodann leerte ich vier Toddys - große Kognacs - in vier Zügen - und ich war das Tier - erwachte am darauffolgenen Morgen - beschämt über meine Erniedrigung. Heute ist alles auf gleiche Art - weder kann ich lesen noch schreiben - was ist zu tun "zu sterben - vielleicht auch träumen" und träume bösartige Träume(39) an - Nein - und leben - soweit man diesen Seelenzustand lebend nennt - Nein! Da hast Du meine Hölle! -- -- Meine Seele ist krank - ich habe, so glaube ich, an den richtigen Stellen nach Heilmitteln gesucht - in der Philosophie - und die hat sich wirklich wohltuend gezeigt - kommen die Anfälle wieder, muß ich den Aufenthaltsort wechsln! Um das Elend voll zu machen, war hier Markt gewesen mit deren anschließenden Krakeel und tierischen Auftritten, die mich plagten, daß ich mich einschloß und das Rollo herabgelassen hatte - jetzt ist es vorbei und gut ist das! Eine wirkliche Aufmunterung war die Gesellschaft der Cousine Maria und ihrer Freundin, die Stunden, die sie hier waren - denn, obwohl in Pension, lebe ich doch erimitisch - und Du weißt ja selbst, wie veredelndund belebend die gesellschaft der Frauen einwirkt - Wenn ich nicht alle Ansprüche an einen gebildeten Gesellschafter erfüllen konnte - kann ich nicht dafür - denn ich bin ein ungehobelter Teufel geworden - gerade weil niemals weiblicher Umgang Einfluß auf meine Erziehung ausüben konnte. Falls ich unhöflich war - mögen sie mir verzeihen - ich verdamme nur das Unglück, das mir nicht erlaubte, ihnen eine Höflichkeit zu erweisen und ihnen mit einer Serenade die Aufwartung zu machen - Frauen sind eitel - Schade, daß ich sie nicht befriedigen konnte - Von Hedbergs Abrechnung(40) habe ich leider nichts gesehen - zum Teufel mit dem Kerl - verzögert er es länger - bin ich in der Klemme - Wie geht es mit Ludvigs "Unschuld"(41)? Was sagt Bonnier über "In Rom"(42) Keine Antwort von Kjöbenhavn oder Götheborg(43) Grüße alle Bekannten! Warst Du beim Alten für eine Weile? Heute schreibe ich an Marie wegen der Auskünfte, die sie in ihrem gestrigen Brief begehrte - Schreibe bald - Upsala der 13te
im Schlachtemonat 1870
[Oktober]
Dieses soll doch aber ein Königliches
(?) Theater sein ! Nach verschiedenen unruhigen Träumen
von meinen Bären(44), erwachte
ich morgens - erhob mich und machte meinen gewöhnlichen Spaziergang
zur Post - dort war wirklich ein Einschreiben an A.Strindberg -
Ich ging heim - nach einem Abstecher in den Carolinapark, wo alles
herbstlich und naßkalt aussah - das Laub tanzte eine heftige
Polka um die Runensteine - die Sandgänge waren - aber ich will
mich kurz fassen! - Ich ging zum Frühstück - kam aber
zu früh , so ich mußte erst mit der Wirtin und der weiblichen
Pensionsbewohnerin sitzen und Erbsen lesen - sie ist ein junges Mädchen
von ungefähr 20 Jahren - schwarzes Haar und blaue Augen - charmante
Figur - aber das war es nicht, was ich sagen wollte -wir speisten ein
charmantes Frühstück mit Hering und Kartoffeln sowie Kalbsbraten
mit Gurken - Frau Lindgren ist ein Meister im Gurkeneinlegen - aber
zurück zum Thema - wir tranken Kaffee - gingen vom Tisch und
ich begab mich auf mein Zimmer, um nach dem Feuer zu sehen - das
Birkenholz ist dieses Jahr recht teuer - aber das gehört eigentlich
nicht hierher! Nachdem ich meine Morgenpfeife geraucht hatte - neulich
bekam ich ein halbes Paket Gefle Vapen von einem Kameraden geschenkt
- dieses nebenbei bemerkt - als es an der Tür klopfte - erst
wollte ich nicht öffnen, aber dann erinnerte ich mich, es könnte
möglicherweise der Postbote sein - meine Vermutung stimmte - denn
er war es wirklich, gekleidet in voller Uniform - Du hast noch keinen
Postwachtmeister in Upsala gesehen - oh, das sind verd... elegante Kerle!
Er präsentierte einen Brief - ich öffnete ihn mit
zitternden Fingern und fand die Benachrichtigung über eine
Rekommendation - ich legte sofort den Überzieher an - Galoschen
- draußen ist es teuflisch schmutzig - sowie meine alte Wintermütze
- die weißen Mützen sind nunmehr abgelegt - ging sodann
mit leichten Schritten zur Post - wo ich einen Brief vorfand mit
5 oder waren es sechs Siegel, das wage ich nicht zu sagen, und mit
einem Kolleggarn umwickelt. Das war also meine lang ersehnte Rekommendation
- dies war also die Frucht von sowohl meinen und Deinen Anstrengungen
- die ich nicht vergessen werde - sei so gut und wende die Seite! -
Wohl, daß ich es in die Tasche steckte - wärmte es wie Feuer
und ich war erstaunt, als ich heimkam , daß der Siegellack
nicht zerschmolz - so verd... brannte es! Aber ich will mich
kurz fassen - denn zu was sind diese unerträglich nichtssagenden
Umwege gut - Heim kam ich, sagte ich - legte den Mantel ab - die Galoschen
und die Wintermütze - wie ich schon mitteilte, sind die weißen
Mützen verschwunden - natürlich auf Grund der starken
Kälte, die jetzt begonnen hat - das Thermometer nämlich
hat morgens bis zu 5 Grade - denke Dir - 5 Grade im Oktober, gewiesen -
ich war also nach Hause gekommen - und nachdem ich mich ausgekleidet
hatte, setzte ich mich ans Feuer - zündete ganz ruhig meine
Pfeife - und begann zu überlegen: Soll ich öffnen oder
nicht - wieviel werde ich bekommen - mal sehen- ich brach
ein Siegel - zwei Siegel - drei Siegel vier Siegel fünf Siegel - da
hielt ich ein - stopfte nochmals meine Pfeife und rührte in
der Flamme - und brach mit gewisser Unruhe den 6.Verschluß
und siehe, es enthielt einen Brief von Hedberg, in einem freundlichen
Ton gehalten - es wäre zu lang alles zu wiederholen - es reicht,
da hieß es, daß er noch eine weitere Vollmacht benötige,
um die Summe abzuheben - ich fluchte Weh und Teufel über alle
Formalitäten und langen Umschweife, die ihn verhindert hatten,
das Geld unverzüglich heraus zu bekommen! Ich wendete das
Blatt und da lag - soll ich es sagen - fünfzig lumpige Reichstaler
- (zum Teufel! Ludvig) also fünfzig lumpige Reichstaler
- - wende die Seite! - aber neben diesen lagen weitere einhundertneunundfünfzig
Reichstaler - Summa Summarum zweihindertneun - Was meinst davon?
Das war eine Pracht ! - Dazu folgte Hinweis auf Abrechnung
des Überschusses, welches Du im nächsten Brief erhalten wirst
- das waren nur Anteile - 1/18 nämlich sowie 1/3 in Abzug für
Tageskosten(45) - Jetzt wirst
Du, der sich einmal meiner Geschäfte annahm, eine Aufstellung
bekommen, wie es angewendet werden soll - und das schreibe ich Dir,
damit Du nicht glaubst, ich verschwende alles leichtsinnig - aber
erst bekommst Du hundert Rtlr davon und außerdem behälst
Du Flodins(46) 25, sodaß Du also
125 für Dich hast; sei aufrichtig - brauchst Du mehr,
so werde ich mich einrichten, soweit es möglich ist - denn obwohl
Du so edelmütig warst den "Freidenker" zu verlegen, ohne an Einkünfte
zu denken - so will ich doch nicht, daß Du auf Grund Deiner
Großzügigkeit in Schwierigkeiten kommem wirst - Sage
mir nun, ob Du zufrieden bist oder ob Du Dir behelfen kannst, und
mit der Zuversicht, daß Dir Entschädigung zukommen wird
von dem , was Kopenhagen und Göteborg einbringen kann? Von diesen
zukünftigen Quellen hast Du den Vortritt, ganz abgesehen von
den Provisionen, die Dir zustehen! Von diesen 125 Rtlr sind 25 für
Deine Reinschrift von "In Rom" - die übrigen Bemühungen
kann ich nicht bezahlen - aber es ist notiert in dem großen Buch
- Das weißt Du! - Weiter sollst Du meine kreditkonten und Reinschreibeausgaben
aufschreiben u.s.w. - Hier ist nun eine Aufstellung, was ich
von den 100 brauche, die ich, ich bitte Dich darum, behalten möchte
10,05 für den Studentenverein (notwendig)
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