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8. STREIT UND FRIEDE   
 
Strindbergs Schreibtisch
An Fanny Falkner. 
Brief Nummer 132 
                                                                        [ 8.Juni 1908] 
 Fräulein Falkner. 
Direktor Ranft wird in ein paar Tagen hier sein und dann mit mir über die  
Besetzung von "Schwanenweiss" reden. Halten Sie sich zu einem Treffen  mit ihm  
bereit, und lernen Sie einen Vers auswendig, daß er Ihre Stimme hören kann. Ich  
kann nichts versprechen, aber ich werde bitten, daß Sie spielen dürfen  (Falk hat  
auf mein Gesuch nicht geantwortet!)  
Sie sollten versuchen, einige Lektionen in Gestik von jemanden im Balett zu  
bekommen!  
Nur die Grundlagen, nicht tanzen lernen!  Besuchen Sie mich morgen, Dienstag, um  
1 Uhr und sprechen Sie  auswendig einen Vers  für mich !  

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An August Falck 
Brief Nummer 133 
                                                                       [Ungefähr 17.Juni 1908] 
 Bruder Falck, 
"Ostern" hat uns gelehrt, was man erwartet vom INTIMA TEATERN! Also: Falle  
nicht ab! ( Du schrecktest mich mich mit den "Leuten von Hemsö", was anscheinend  
mit dem Theater des Tiergartens konkurieren soll). Wähle die ernsthaften  
Kammerspiele so wie "Ostern" u.s.w.  Und konzentriere Dich auf  
"Damaskus","Rausch","Nachtigal von Wittenberg";  "Engelbrekt (in einer neuen  
Version), Karl den XII, Advent (vergiß das nicht zu Weihnachten!).   
Vor allem: Damaskus I  II  III. Das kann bis nächsten Mai gehen.  

Jetzt ist die Saison schluß! Danke dafür  und grüße da unten alle Freunde mit  
einem herzlichen Dank!  

   Freundl.  
   Aug Sg  
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An Emil Schering 
Brief Nummer 134 
                                                                    4.Juli 1908 
 Werter Herr S.[chering]  
Es ist wahr, ich habe 20.000 Kronen Schuld für das  INTIMA TEATERN   
(irgendwelche Ersparnisse habe ich nie besessen)  
Es ist wahr, daß Prinz Eugen bei der Aprilmiete half.  

Ich bin krank, müde und allem überdrüssig.  

  Ihr  
  August Strindberg. 
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An Tor Aulin 
Brief Nummer 135 
                                                                        6.Juli 1908 
 Lieber Tor Aulin, 
Die "Gespenstersonate" war, um Dir die Form zu zeigen, die ich für das neue  
Musikspiel suche, ausgehend von der Kammermusik, kondensiert, begrenzt auf nur  
wenige Stimmen.(366)  

St.Gotthard ist angefangen worden, doch wurde ein Abbrechen von meiner  
Krankheit, die mich fast den ganzen Tag plagen und aufs Bett zwingt,  
unausweichlich.  

Aber die "Gespenstersonate" hat auch eine andere Seite!  Aus der alltäglichen  
Wirklichkeit preßt  die Atmosphäre Poesie hervor, ohne sich im Orient oder  
Mittelalter des Märchenspiels zu verirren!  

Von Strichnin, Atropin, Brom und anderen Dösig kann ich heute nichts mehr sagen!   
Wünsche Dir gute Besserung  und uns ein Wiedersehen.  

   Freundschaftlich 
   August Strindberg 
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An das Personal des INTIMA TEATERN 
Brief Nummer 136 
                                                                 Den 26.Juli 1908 
 An das Personal des INTIMA TEATERN, 
Da wir nun ein neues Stück einüben, benutze ich die Gelegenheit, meine Wünsche,  
bezüglich der Aussprache der schwedischen Sprache auf der Bühne, mitzuteilen.  
Wir spielen doch kein Lustspiel oder platte Komödien, deshalb muß die Sprache  
hochgehalten werden, um nicht durch nachlässige Aussprache ihre Möglichkeiten   
als Ausdrucksmittel  zu verlieren.   
Alle Buchstaben sollen von Anfang an ausgesprochen werden. Deutlich; dann  
gleitet man über sie, ohne welche auszulassen.  
Wir sagen also "skall" (nicht "ska"), "är" (nicht "e"), "var" (nicht "va"), u.s.w. doch  
mit Einsicht.  
Die Konsonanten werden besonders gepflegt. Beispiel: "Fort" (nicht "fott"), "stort"  
(nicht "stot"). "S" wird als "S" und nicht als "Z" (Lispelnd) ausgesprochen,  
"Teatern" nicht "Teaten" u.s.w.  
Im allgemeinen wird auf underem Theater  zu schnell gesprochen; freilich , es ist  
klein und intim, allein, es sitzen 150 Personen draußen im Salon, die sich das Recht  
zu hören gekauft haben. Schauspieler versteht man nur bei langsamer  und  
distinkter Aussprache jedes Buchstabens; durch Phrasierung, oder  musikalische  
Interpunktion, was ein Hervorheben der wichtigeren Worte  und Vorenthalten von  
unwichtigen, sowie die richtige Aufteilung der Phrase;  Nuancierung oder das  
Beachten des Erhöhens oder Senkens , accelerando(beschleunigend) und ritardante  
(zurückhaltend), Pausierung, leggato und staccato.  
Um langsam und gut sprechen zu können, sollte man  im allgemeinen alle Glieder   
der Periode binden (legato), doch so, daß die Interpunktionen schwach hörbar sind;  
staccato kommt nur zur Anwendung, falls die Rolle dieses fordert.  
Bei der ersten Probe, die als Sprechübung angewendet werde, sollte übertrieben  
langsam gesprochen werden.  
Wenn dann das Tempo zunimmt, bleibt doch die Aussprache deutlich, denn alle  
Buchstaben sind hörbar, weil sie eingeübt sind.  
Im allgemeinen spreche man mit Brustton und nicht nur mit dem Mund, denn sonst  
flüstert man.  
Um richtig zu sprechen, was auf der Bühne Hauptsache ist, braucht es keine  
Lektionen, sondern nur Konzentration auf sich selbst und seinen Mitspieler; auf  
sich selbst hören, daran denken, was man spricht.  
Wenn man soviel Schauspielertalent, nahezu angehäuft, auf dem Intimen Theater  
gesehen hat, kann man auch nur die Vernachlässigung der Sprechkunst bei vielen  
beklagen.  
Deshalb habe ich rechtzeitig auf diesen Mangel hinweisen wollen, daß wir  
versuchen, das Vollkommene zu erreichen, auch wenn wir es nicht vermögen.  
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An Emil Schering 
Brief Nummer 137 
                                                                   10.6.1909 
 H.H. 
Machen Sie es so! Senden Sie Nietzsches Schwester eine Kopie von N.s. Brief und  
bitten Sie um Kopie meiner Briefe. Schicken Sie dann meine an mich, so daß ich  
unnötiges streichen kann und sodann können Sie  es drucken in einer Berliner  
Zeitung, natürlich  bei Ausschluß vom : " Der Kxxxr(Scharlach-Kr).(367)   
   Ihr Sg.  

Tor Aulin bittet, falls Sie ein kurzes Referat des "Meister Olof" auf Deutsch haben,  
seine gedruckte Musik einzufügen.(368)   

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Harriet Bosse mit ihrer  
Tochter Anne - Marie 
In Strindbergs drei Ehen hatten die Kinder eine  hervortretende Rolle und das 
besonders in der letzten. Mehr als alle anderen war es die Tochter Anne-Marie, die 
während der letzten Jahre Freude und einen versönlichen Schimmer über seine Welt 
warf. So schreibt er  in seinem letzten Bühnenwerk "Stora Landsvägen" (Große 
Landstraße) im Jahre 1909, daß des Jägers letzte Erinnerung  vom Leben "eine 
Kinderstimme im Dunklen" war, 
"ein Sonnenstrahl aus Kinderaugen". Anne-Marie wohnte zu dieser Zeit während 
des Sommers bei Verwandten in den Stockholmer Schären. So auch 1911. Vom 
Blauen Turm kamen regelmässig Sendungen und Grüße wie diese kleinen Billetts. 
  
An Anne-Marie Strindberg 
Brief Nummer 138 
   Stockholm.  
Du frierst wohl auf Vettersö, aber Du hast doch wohl sicher Winterkleidung. Die  
Sonne ist weg, aber sie wird sicher wieder kommen; ich habe sie heute Abend beim  
Untergehen gesehen.   
Hast Du etwas zu lesen? Wenn Du Bücher haben willst, schreibe es mir. Und  so  
haben wir bald Mittsommer und Du sollst mir Deine Wünsche sagen.   
Vater sitzt im Turm und denkt an seine Kinder und das ist seine Sommerfrische.   
Glaube es mir! so ist das für den Alten, und das reicht!  

 13.Juni 1911  Vater  
  

  * 
An Anne-Marie Strindberg 
Brief Nummer 139 

Jetzt habe ich Deine Walderdbeeren aufgegessen, die für  2 Essen reichten.  
Möchtest Du ein kleines Tennisspiel haben, so schicke ich. Und hier folgt der Gelbe  
Wolf, über Indianer.  
Grüße an die Tante.  

 7.Juli 1911  Von   
   Vater.  

  * 
An Anne-Marie Strindberg 
Brief Nummer 140 

Liebe Kleine, die jetzt groß ist, war das Tennis gut?  
Nächsten Sommer wirst Du ein kleines Boot bekommen, ein richtiges zum Rudern  
und mit einem kleinen Segel, aber da mußt Du erst schwimmen können, denke  
daran! Am Besten lernt man schwimmen mit einem Ruder unter den Armen, oder  
man geht hinaus vom Strand, wendet sich um und rudert zurück zum Strand, so ist  
es ungefährlich. Hast Du eine Hängematte, oder möchtest Du eine haben!  

 [12.Juli 1911] 

  * 
An Anne-Marie Strindberg 
Brief Nummer 141 
Wieviele wohnen auf Tyrö, ist sie grün und schön?   
Wer besitzt sie?  
Ja, nun habe ich fragen und Du sollst antworten!  
Hier kommt ein neues Buch, und dann viele nacheinander.  
Grüße die Tante und Alf.  
  Von  
 13.Juli 1911 Vater  
  
  * 
 
An Anne-Marie Strindberg 
Brief Nummer 142 

Hier kommt jetzt die Hängematte, die doch nicht für Große hält. Versichere Dich,  
daß Du Gras unter Dir hast, so daß Du dich nicht schlägst, wenn sie fallen sollte.  
Außerdem einen Schwimmgürtel, der mit Stiften eingestellt werden muß, so daß er  
nicht zu groß ist. Und die Schwimmflügel, die mit dem Mundstück aufgeblasen  
werden. Meide aber trotzdem die tiefen Stellen.  
   Freundlichst  
 13.Juli 1911  Vater  

Die Schwimmflügel  (Schmetterling)  sollen naß sein, bevor sie aufgeblasen werden,  
sonst halten sie nicht dicht.  

 * 
 
An Anne-Marie Strindberg 
Brief Nummer 143 
Hast Du eine leichte Bambusangel um Deine (21) Barsche zu fangen? Oder  
wünscht Du Dir eine? Und eine Schleppangel um Hechte zu bekommen?  
Sag es nur!  
Aber schwimmen mußt Du lernen! Man kann zwar trotzdem umkommen, aber man  
kann auch andere retten - und sich selbst, wenn man schwimmen kann.  
  Freundlichst  
 17.Juli 1911 Vater  
  * 
 
An Anne-Marie Strindberg 
Brief Nummer 144 
Vielleicht möchtest Du schon dieses Jahr ein kleines Boot haben, wo Du doch so  
tüchtig bist? Aber dann nehmen wir  dieses Jahr noch eines ohne Segel und dann  
lassen wir es im nächsten Jahr auftakeln. Ich gehe jetzt zur Munkbrücke und kaufe  
ein Boot.  
Sodann bekommst Du römische Ringe, obwohl ich nicht weiß, was das ist.  
Und dann bekommst Du ein Tagesfeuerwerk, aber nur Alf oder ein anderer  
erwachsener Mann, der sich rasiert und Zigarre raucht, darf das betreiben, denn  
das knallt und brennt.  
Schreibe auf jeden Fall, was Du dazu meinst?  
Und auch über die Hechtangel.  
   Grüße   
 18.Juli 1911  von Vater  
  * 
An Anne-Marie Strindberg 
Brief Nummer 145 

Sollen wir bis zum nächsten Sommer mit dem Boot warten, dann darfst Du selbst  
wählen. Ich möchte, daß Dir das Boot gefällt und daß Du es einen Namen gibst! Ich  
habe mir Boote an der Munkbrücke angeschaut, aber die waren häßlich und teuer.  
Wenn es bei euch auf  der Tyrö-Werft ein Neues gibt, das Dir gefällt, dann schreib,  
was es kostet. Aber es soll niedlich und schön sein.  

   Freundlichst  
 19.Juli 1911  Vater  
 

  * 
 
An Anne-Marie Strindberg 
Brief Nummer 146 
 Liebe Anne-Marie  
Wie gefällt Dir das Boot? Ist es nicht zu spät in diesem Jahr? Wann werdet ihr  
zurück zur Stadt fahren?  
Ein Kanu würde es sofort geben, aber das ist lebensgefährlich.  
Lerne in diesem Sommer richtig schwimmen; es ist am leichtesten auf dem Rücken  
zu schwimmen, dann bekommen wir das Segelboot gleich nächstes Jahr, und Du  
gehst mit Alf  zur Werft hinaus, wo Du selbst auswählen kannst -  Grüße.  
   Freundlichst  
 21.Juli 1911  Vater.  
 

                                                                       *   *   * 

Im Sommer 1911 verlobte sich Karin, die älteste Tocher, mit dem russischen 
Universitäts- lektor in Helsinki, Wladimir Smirnoff und August Strindberg schrieb anläßlich dieses  Tages nachfolgenden Brief an Karin Strindberg.  

An Karin Strindberg 
Brief Nummer 147 
                                                                 Stockholm 25.Juli 1911 
 Mein liebes Kind, 
Meine Freude ist groß, daß auch Karin ein wenig Freude finden kann, so wie Greta 
es sich wünschte. 
Aber warum die Trauung aufschieben - die hier durchgeführt werden kann - zivil, 
hier sind alle Trauungen zivil.  
Eure Verlobung ist so zerbrechlich und  keine Angelegenheit, wenn man sich vorher 
kennt. 
Die Mama hat ja den Hans und die Schwiegertochter, und Karin wird ja als 
Verheiratete nicht davonrennen. 
Aber, macht wie es Euch beliebt, selbstverständlich! 

Aber liebes Kind, nutze die Stunde! Noch ist es Sommer - kommt her und heiratet 
Euch, so werde ich für meine Erstgeborene Hochzeit halten, die einmal mit der 
ersten Freude ins Haus kam (Die Mama  gönnt ihrer Karin das!).  Und verreist 
dann, als Eheleute und kehrt sodann zurück nach Finnland! 
Ich werde mich an eurer Freude erfreuen, denn eigne  habe ich nicht und verlange 
keine. 
Grüße nun meinen zukünftigen Schwiegersohn, den ich hoffentlich bald so und 
Freund nennen darf. 
  Freund für das ganze Leben 

   Papa 
 

Die Hochzeit wurde später bei A.S. im Blauen Turm gefeiert. 

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Am 22.Januar 1912 feierte Strindberg seinen 63.Geburtstag und es wurden von 
verschiedenen Seiten Huldigungsfeiern zu diesem, wie man ahnte, letztem 
Geburtstag des Dichters, vorbereitet.Im ganzen Lande lief eine Einsammlung zu 
einer Ehrengabe zugunsten Strindbergs. Fast 50.000 Kronen wurden von zirka 
20.000 Beitragsgebern zusammengebracht. 
Am Abend des 22.Januar wollten die Arbeiter Stockholms dem größten 
schwedischen Dichter ihre Huldigung mit einem Fackelzug erweisen. Dies der Anlaß 
diese Briefes an den Freund und Malerkollegen Richard Bergh. 

An Richard Bergh 
Brief Nummer 148 

                                                   Stockholm, 17.Januar 1912 
 Richard Bergh, 
Möchtest Du bitte Branting sagen, da ich ja nun einmal grüßen muß, daß ich also 
auf den Balkon treten werde, aber man soll nicht stehenbleiben, keine Reden halten, 
nicht singen, denn dann muß ich vielleicht dabei mein Leben opfern, aus reiner 
Wohlerzogenheit. Ich bin nämlich immer noch krank, obwohl ich mir einbildete, 
gesund zu sein. Bin nicht draußen gewesen. 
Damit der Zug meinen Balkon zwischen allen anderen erkennen kann, stelle ich 
meine schönste elektrische Lampe mit dem roten Auge in Richtung Tegnérlund! 

Falls ich richtig krank sein sollte, lasse ich im Volkshaus anrufen und 
Festbeleuchtung als Zeichen der Wertschätzung  und Dank in die Fenster setzen; 
vielleicht stehe ich im Saalfenster. 

Zum Diner wage ich niemanden anderen als meine Tochter, Schwiegersohn und 
Axel zu laden, aus Furcht, meine Kräfte zu mißbrauchen. 

  Bestelle Branting dieses! 
   Freundlichst 
   August Strindberg 
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ZEITGENÖSSIGE KARIKATUREN
An die Zeitschrift BUDKAVLEN. 
Brief Nummer 149 
                                                              17.März 1912 
"Sociala spörsmål" von Henry Georges,(369) was Sie mir übersandt hatten, hat meine 
Interessen von 1880 auferweckt. Und ich bewundere ihn jetzt, wie damals. Aber sein 
Arkanum: Die Grundrente allein als Rettung kann mich nicht überzeugen. Ich habe 
radikalere Mittel, entwickelt aus dem Bodenumverteilungsgesetz. 
"Der Boden dem Landmann", das bedeutet: Derjenige der brachliegendes oder 
vernachlässigtes Land bepflanzt wird der Besitzer des Bodens! Und besitzt es dann 
eine gewisse Anzahl Jahre steuerfrei. 
Das ist kein Geschenk vom Staat, Kommune oder Privat, sondern ein Geschenk an 
den Staat, denn der Pflanzer gibt dem wertlosen (unbepflanzten) Boden Wert. [---] 
Zur Hütte, Hacke und Spaten sollte er Hilfe bekommen u.s.w. 
Norrland, das ausgeplünderte, könnte eine Einwandererkolonie werden, wie 
Amerika es war. Die Emigration wird aufhören und wenn die Immigration zu den 
Städten aufhört, dann werden die Arbeitlöhne in den Städten von sich aus steigen. 
Aber, dann bekommt der Bauer keine Landarbeiter, der Gutsbesitzer keine 
Kleinbauern und der Stadtbewohner keine "Diener". Wohl, damit hört der jetzige 
Sklavenstaat auf, antworte ich und damit beginnt eine gerechtere Staatsordnung. 
Jetzt wird der Sklavenstaat durch eine künstlich errichtete Not aufrechtgehalten und 
Arbeit mit dem Boden mit Strafe belegt (Zitat!), denn wenn der Häusler einen Berg 
bepflanzt, wird die Pacht erhöht (Strafe!) u.s.w. 

Nun ja, die Bodenfrage könnte Inhalt für eine Artikelfolge werden, aber ich bin 
krank und müde. Ich kann nichts versprechen und habe keine Möglichkeit so schnell 
zu kommen! Dazu sind Studien erforderlich und Gedankenarbeit, die ich nicht 
schaffen kann! 
Entschuldigung fürs erste! 
Christensen habe ich gelesen und mehr in ihren Heften (Budkavlen). 

   Ihr 
   August Strindberg 
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Fast sein ganzes Leben lang kämpfte Strindberg mit seinen Geldsorgen. Nur für 
kürzere Zeitabschnitte konnte er sich finanziell unanhängig fühlen. Ein solcher 
Abschnitt begann, nachdem er am 28.Juni 1911 mit dem Bonniers Verlag einen 
Vertrag über die Harausgabe seiner Werke geschlossen hatte. Damit waren die 
finanziellen Probleme schließlich gelöst. 
Strindberg selbst war in zurückhaltender Weise freigibig und hilfsbereit gegen 
andere, wenn es um Geld ging. 
So wie in diesem Brief an Nathan Söderblom, der jetzt Professor in Uppsala war, 
nachdem er vorher schwedischer Pastor in Paris gewesen war.  
An Nathan Söderblom 
Brief Nummer 150 
                                                                         Stockholm, 18.März 1912 
 Herr Professor, 
Vieles hätte ich Ihnen zu sagen, über dieses und jenes, aber krank und alt muß ich 
mein Haus bestellen und alte Rechnungen begleichen. 
Ungefähr 1892(?) geriet ich unverschuldet in Paris ins Elend und erhielt auf 
Umwege eine Unterstützung von einigen hundert Franc aus dem Hilfsfond der 
Schwedischen Gemeinde. Sicherlich  habe ich mich während der besseren letzten 
zehn Jahre damit getröstet, daß ich andere mit recht beträchtlichen Summen 
geholfen habe. Aber es hilft nichts: dieses soll  dieses begegnen.  Ich übersende 
Ihnen deshalb, und da mir  die Adresse in Paris  unbekannt ist, bitte ich Sie, Sie mit 
dem Übergeben von 1.000 Kronen an den Hilfsfond für "in Not geratene 
Landsleute" beschweren zu dürfen. Als  eine Rückzahlung darf es nicht als 
Wohltätigkeit gerechnet werden, natürlich nicht! 
Ein kleines Wort fehlt in diesem kurzen Brief, das kleine Wort, das so schwer 
auszusprechen ist: Danke! für die Hilfe damals und  Danke für die Mühe, der Sie 
sich gütig nun auferlegen wollen. 
   Ihr 
   August Strindberg 

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Die letzten Wochen seines Lebens war Strindberg von seinem Leiden an das  
Krankenlager gefesselt. Einer seiner Grüße davon war an seine Tochter Anne-Marie  
gerichtet.  

An Anne-Marie Strindberg 
Brief Nummer151 
                                                                  Stockholm, 19.April 1912 
 Meine liebe kleine Tochter 
Danke für Deine roten Blumen! Aber Du sollst mich nicht aufsuchen. Hier sind so 
viele Medizinflaschen, Ärzte und Spektakel, daß es keine Gemütlichkeit gibt. 
Freue Dich deiner Jugend mit den jungen und sorge dich nicht um die alten, die nur 
wünschen zu verschwinden. 
  
    Vater 

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Der letzte Spaziergang
im Frühjahr 1912

Am 21.April 1912 erreichte den todkranken Strindberg die Nachricht, daß seine 
erste Ehefrau, Siri von Essen, verstorben war. Diesen Tag kleidete er sich schwarz. 
Wie ihn diese Nachricht ergriff geht aus den Zeilen an den Jugenfreund und späteren 
schwedischen Ministerpräsidenten Hjalmar Branting hervor. 

An Hjalmar und Anna Branting(370) 
Brief Nummer 152 
                                                                                  Stockholm, 22.April 1912 

 Hjalmar Branting und Frau. 
Danke für Eure Rosen mitten im Jod, im Morphium - - -  Der Todesfall gestern 
weckte Erinnerungen von 1880, die Grube, Kymmendö, Ludvig Josefsson, Frithiof 
Kjellberg, Pelle Janzon,Stuxberg,Alhambra und Svante Hedin, P. und K. Staff, Erik 
Thys - und andere.  
Lange vergangen, aber doch wie gestern! 
   Ihr 
   Aug Str. 

  * 

Drei Wochen danach, am 14.Mai 1912 verstarb August Strindberg. 
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