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7. NACH DER KRISE.
ENDLICH DAHEIM.
Kuestenlandschaft
gemalt 1894 in Paris
 
 
 
An Kerstin Strindberg (Original Deutsch)
Brief Nummer 105
   Lund, 14.Jan.1899
 Liebes Kleines,

Schönsten Dank für Brief und gute Nachricht von den Verwandten. 
Mir gespensterte noch immer Todesfall, weiß nicht wovon es kommen muss; bilde 
mich oft ein dass ich selber bin der ausgewählte, trotzdem dass ich ganz gesund bin. 
Den ganzen Herbst war ich ja Krankenwärter bei dem jungen  Dichter, (317) der starb, 
vielleicht trage ich noch den Leichengeruch in den Kleidern. 
Nächster Sonntag hatte man mich zu Stockholm eingeladen um als 
Geburtsgegenstand zu feiern.(318) Aber ich habe alles abbestellt, weil mann darf 
keinen Mensch vor seinem Tode loben, vielleicht auch nicht nachher.(319)  
Habe wie ich erzählt ein religiöses Märchenspiel fertig. Du bist auch mit und heisst 
Thyra; der Knabe heisst Erik (Erle).(320) Und so der Christkind da; er spielt schön mit 
den zwei Kleinen ohne zu predigen. Und so ist der Böse da, aber ohne Mantel und 
Degen und Geldbeutel. Er ist ganz neu nach Schwedenborgs Auffassung ein 
Verkommener der jetzt als Strafe muss das Gute dienen mit seinen bösen 
Plagereien. Es gespenstert die ganze fünf Acten durch, und voll von Zaubereien ist 
es auch. Endet im Fegefeuer eine Weihnachtsabend da der Stern der Hirten 
erscheint - der einzige Lichtpunkt in der grässlichen Schluss-scene. Jetzt weisst Du 
was kein Mensch in ganzen Deutschland mit Östereich-Ungarn weiss! 
Und so fange ich ein neues Stück an.(321) Bin ganz zum Theater wiedergekommen! 
Deine Schwester Greta, 17 Jahre alt, debutiert in diesen Tagen in Finnland als 
schauspielerin vorläufig in einem Privatvorstellung! 
Der kleine Hans, 12 Jahre,(322) ist auch in einem Tableau als Amor (mit Psysche) 
neuerdings aufgetreten. er soll so schön gewesen sein, dass ich mich fürchte. 
Karin, 18 Jahr, giebt eine Zeitung (hektographisch) auss und scheint 
Schriftstellerin zu werden. Gesund sind sie und frohen Gemüthes; ihr Papa ist 
glücklich genug gewesen Ihnen viel viel Geld zu senden! 
Jetzt weiss ich nicht mehr zu erzählen; küsse Dich sage lebe wohl. 

   Vater August.
 
 
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 Seinen fünfzigsten Geburtstag feierte Strindberg  in aller Stille unter Freunden in Lund. 
Unter den vielen Freunden, die ihm Gratulationen und Grußadressen schickten, 
waren auch viele, mit denen Strindberg den Kontakt abgebrochen hatte.Unter ihnen 
Adolf Paul und Carl Larsson. Strindbergs Brief an den Letzteren ist bezeichnend für 
seine damalige Stimmung. Selbstredend glaubt er sich immer noch berechtigterweise 
mit vielen im Streit zu liegen, von aller Welt ungerecht behandelt, aber da spricht 
nicht nur ein Querulant, da spricht auch ein Büßer, der bereit ist seine Sünden zu 
bekennen. 
 
 
 
An Adolf Paul.
Brief Nummer 106
   [Zirka 23.Januar 1899]
 Danke für Deinen Glückwunsch! Der muß ja bedeuten, daß kein Groll  
mehr zwischen uns ist? (323) Die Schuld mag bei dem einen oder dem andern, oder auf beiden Seiten gelegen haben! [---] 
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An Carl Larsson
Brief Nr 107
   Lund, 24.Januar 1899
 Carl Larsson,
Nun muß ich wieder nach Canossa gehen! Deinen letzten Brief an mich ließ ich
unbeantwortet; (324) aber ich bin bestraft worden, sowohl von jahrelangen Skrupeln -
denn es war das erste Mal, da Du einen kleinen Dienst von mir begehrtest, der so
viele von Dir erhielt, als auch durch Deine  freundliche Lebensbeschreibung in
SVENSKA DAGBLADET. (325)
Daß ihr solch eine Geduld mit meinen Fehlern habt, könnte zeigen, daß ihr glaubt,
ich sei verantwortungslos oder verdiene Nachsicht. Vielleicht gibt es einen
heimlichen Grund, so wie ich mir selbst niemals eine unwürdige Handlung
verzeihen kann und niemals mir auf Lob was einbilde. Das Letztere kommt, finde
ich, jemanden anderen zu und ich glaube nicht daran. Aber mein Leben ist das
Leben eines Krüppels, dem eine halbe Aln (326) am Rücken fehlt. Die Jahre von 20 bis
30 fehlen mir; die besten Teile. Und ich verstehe nicht mein Schicksal. Mit 19
Jahren entdeckte ich bei mir die in Schweden nicht gewöhnliche Fähigkeit Theater
zu schreiben. Da war ich eine halbfromme Seele, die Gott auf Knien dankte für die
Gnade und pflichtbewußt die teuren Anlagen zu pflegen begann. Aber stelle Dir
vor, Du malst kolossale Bilder, die nie auf Ausstellungen angenommen werden,
sondern die Du zusammenrollen und auf den Speicher tragen mußt, wo sie liegen
und altmodisch werden. So habe ich es in vielen Reprisen erleben müssen. Und es
ist nicht wahr, daß ich meine Talente mißbraucht hätte, denn die schönsten Stücke:
"Das Geheimnis der Gilde", "Frau Margit","Nach Damaskus" und "Advent" werden
nicht gespielt!  während die häßlichen  dann und wann zu sehen sind und dann,
einen feuchten Fleck hinterlassend, verschwinden.
Wo ich falsch gehandelt habe, nehme ich mich jetzt zusammen und erkenne den
Fehler, aber wo ich ohne Schuld bin! - da wurde ich früher böse, böse! Jetzt nicht
mehr soviel, sitze nur fragend, was ist der Sinn!
Diese Jereminade um mich zu entschuldigen, daß ich so undankbar  gegen Dich
war! Nimmst Du die Abbitte an?   Antwort: Ja!
Gut. So will ich Dir danken für alte, gute Freunschaft; wünsche Dir und die Deinen
alles Gute und hoffe, Dich in Kürze zu sehen!
   Freund
   August Strindberg
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An Emil Schering.
Brief Nummer 108
   [ 1.Februar 1899]
 Werter Herr Schering,
Heimgekommen von einer Reise, bedanke ich mich für die Übersendungen von Geld
und Drucksachen. Das kürzlich fertiggestellte Drama (327) ist ein religiöses
Märchenspiel, daß noch nicht vervielfältigt ist, daß aber nur schwerlich Sympathie
an deutschen Szenen finden kann. Auf jeden Fall werde ich es schicken, wenn
Kopien vorliegen. Habe ich nun vergessen, einige Fragen zu beantworten, so bitte
ich Sie, mich zu erinnern.
   Ihr
  August Strindberg
QUICKBORN  ist bisher hier nicht eingetroffen! (328)
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An Mathilde Prager
Brief Nummer 109
   Lund, 1.Februar 1899
 Hochgeehrte Frau,
Die Schriften, die ich herausgegeben habe, kennen Sie. Etwas Passendes,
Nichtveröffentlichtes für den angegebenen Zweck  gibt es nicht und ich schreibe
jetzt nur fürs Theater.
Allerdings bin ich dankbar, nicht vergessen worden zu sein und zeichne
  wie früher
  Ihr
  August Strindberg
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An Georg Brøchner
Brief Nummer 110
   Lund, 1.Februar 1899
 Hochgeehrter Herr,
Auf Ihre Anfrage kann ich nicht exakt antworten, denn ich erinnere mich nicht,
welche Arbeiten ich vergeben habe in der englischen Sprache. (329) Aber wenn keine
Konvention besteht, würde ich Ihnen raten, sich die Freiheit zu nehmen. Allerdings
werde ich mich erkundigen, um so bald bestimmtere Antwort geben zu können.
   Ihr
  August Strindberg.
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An Axel Strindberg
Brief Nummer 111
   Lund, 2.Februar 1899
 Bruder Axel,
Incognito nach Stockholm gereist, hatte ich viele Visiten zu machen. Hatte einen
Tag für euch zusammen angesetzt und bat unsere Schwester Anna im Telephon, sich
darum zu kümmern, daß wir Geschwister uns bei ihr treffen könnten. Annas Antwort
war schwebend, und ich fand mich ein bei ihr zum Essen, ohne Dich oder Oskar
anzutreffen.
Nun komme ich bald wieder nach Stockholm, und ich hoffe euch zu sehen, unter
Voraussetzung, daß ihr wünscht, mich zu treffen.
   Eil. freundl.
   August.
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An Greta Strindberg
Brief Nummer 112
   Lund, 6.Februar 1899
 Liebe kleine Greta,
Es war  schön, einmal einen Brief von Gretas Hand zu bekommen; und es freute
mich sehr von dem gelungenen Debüt (330) zu hören!
Hier wurde mein Geburtstag gefeiert und für euch wurden viele Toaste
ausgebracht: Eine Rede in den Götischen Räumen in Stockholm, eine hier in Lund,
und zuletzt eine im Atelier von Carl Larsson in Stockholm. Bei dem letzteren
antwortete ich mit einem Trinkspruch  auf seine sechs Kinder, die an einem kleinen
Kindertisch sitzend anwesend waren; wobei Larsson die kleinen Knirpse dazu
brachte, einen Hurraruf  auszubringen, was sie gut konnten. Und so habe ich euch
die Trinksprüche vermittelt.
Nach dem Geburtstag war ich oben in Stockholm, das ich nicht seit 1892 gesehen
hatte. Dort wurde über Geschäfte geredet, und es geht um eine große Serie
Ausgewählter Geschichten, (331) was Geld bringen müßte. Aber ihr müßt mir sagen, ob
ihr die Vollmacht für die Gesamtausgabe benutzt habt, die ich euch vor zwei Jahren
gab. Eine Gesamtausgabe kann nicht vor meinem Tod herauskommen, und ihr
solltet dieses Kapital  nicht verramschen. Bedenkt daß die Kinder von Topelius
125.000 Kronen für die Arbeiten des Vaters nach seinem Tode bekamen. Habt ihr
das Papier verpfändet, so sollten wir es unverzüglich einlösen. [---]
Wenn nun Ausgewählte Erzählungen herauskommen, so werde ich die Bedingung
stellen, daß die Firma direkt an den Terminen  an euch zahlt; und vielleicht eine
Summe sofort für Schulden!
Während ich daran denke, so bitte ich euch um eine Sache: Wenn ihr etwas
Unvorteilhaftes hört über Albert Bonnier, so sollt ihr nicht an der Verleumdung
teilnehmen, nicht untersuchen, ob es begründet ist oder nicht, denn dieser Mann hat
euch  einmal gerettet, als ihr klein und in großer Not stecktet. Er schenkte uns
damals 8.000 Kronen. Und das war nicht seine Schuldigkeit.
Habe ich nicht dankbar sein können, so müßt ihr es versuchen zu sein. Ihr sollt
besser werden als ich!
Lebt wohl so lange, und grüße Putte und Karin
  vom Freund
         August Sg.
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An Emil Schering
Brief Nummer 113
   Lund, 7.Februar 1899
 Hochgeehrter Herr,
"Franska Bönder" (Französische Bauer) liegt seit zwölf Jahren von Frau Prager
übersetzt vor und ist teilweise abgedruckt in Wiener Zeitungen.
Die Liste mit den englischen Autorisationen gehen mit dem nächsten Brief ab. (332)
   Ihr
  August Sg.
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An Greta Strindberg
Brief Nummer 114
   [8.Februar 1899]
 Liebe Greta,
Es steht heute in derZeitung POLITIKEN, die viel in Finnland gelesen wird, Daß
ich bedenklich krank bin und daß es wohl eine Lungenentzündung sei.  So hier ist
es: Ich habe mit schwerer Influenza und Halsbeschwerden gelegen. Das Fieber ist
vorbei, aber Halsschmerzen fortsetzen.
Augenscheinlich kommt bald wieder Geld zu euch..
   Freund
   August Sg.
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An Karin Strindberg
Brief Nummer 115
   Lund, 17.Februar 1899
 Liebe Karin,
Selbst habe ich seit langem während meiner Irrfahrten und Miseren eure
Geburtstage versäumt, und deshalb begehrte ich auch nicht, ihr solltet an meinen
denken. Indessen, Danke für eure Glückwünsche. Die Zukunft  sieht nicht so
schlecht aus, wie ich schon im letzten Brief an Greta schrieb. (333) Und in Erwartung
von größeren, sende ich in acht Tagen eine kleinere Summe, ziemlich klein.
Hiermit das von Karin erwünschte Portrait.
Mich erfreut Gretas Fortschritt, und bitte  sie nur, die Sache recht ernst zu nehmen;
nichts geht voran ohne Arbeit und Besonnenheit sowie Ausdauer.
Möge Karin alsbald zur Klarheit über ihre Berufung und sich entscheiden. Ist es
das Verfassen, so soll es so werden; aber dann wäre es für Karin das Klügste, und
schriebe sich einen eigenen Verfassernamen unter Pseudonym, denn das Publikum
ist nun mal so, daß man nicht zwei Auflagen vom selben Autor nimmt. Und dadurch
würde Karin eine selbstständige Stellung haben.
Unter unseren nun lebenden Schriftstellerinnen setze ich Selma Lagerlöf am
höchsten. "Gösta Berlings Saga" und noch mehr "Antikrists mirakler" sind Muster.
Aber wer die in Schweden seltene Gabe des Dramaschreibens besitzt, sollte diese
Gabe pflegen, denn da ist die Konkurrenz am kleinsten und der Profit am größten.
 Und wieder leb wohl so lange,
 einschließlich Greta und Putte
 
  Freund
  August Sg.
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An Greta Strindberg
Brief Nummer 116
   Lund, 21.März 1899
 Geliebte Greta,
Ein Tyrann war ich wohl nicht gegen euch, so daß ich diese unwahre Erklärung (334)
verdiente! Möchte Greta nicht einen sehr höflichen Brief an Jules Huret von LE FIGARO (rue
Dronot 26, Paris) schreiben und aufklären, daß die Notiz nicht exakt ist. Benutze
keine harten Worte, nicht mal das Wort Unwahrheit!
Mache dergleichen an BERLINER TAGEBLATT (Adr: Red. d.B.T. à Berlin auf
französisch), wenn Greta so lieb sein möchte!
   Eil.freundl.
   August Sg.
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An Emil Schering
Brief Nummer 117
   3.April 1899 Lund
 H.H.
Alle Sendungen empfangen und Danke.
Bald wird "Advent" mit "Rausch" herauskommen."Rausch heißt im Schwedischen
"Vid högre rätt" und sollte auch im Deutschen so genannt werden. (335)
Erneut warne ich davor, "Damaskus I" ohne Teil II zu drucken. Sie gehören
zusammen und stützen einander.
   Eil. zugen.
   August Sg.
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Doppelbild
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An Carl Larsson
Brief Nummer 118
  Furusund, 2.August 1899
 Carl Larsson,
Uff! jetzt habe ich meinen "Erik XIV" beendet;  bitte Dich um Verzeihung, daß ich
so lange wartete, Deinen freundlichen Brief  zu beantworten!
Und so: Schreib was Du willst auf mein Konterfei; (336) ich habe mir bereits im selben
Genre Freiheiten bewilligt. Dein Plakat zum Bellmanfest (337) weckte solch
Befriedigung: Die Sozietät beschloß, es zugunsten  der Armen zu verlosen. Um den
Wert zu erhöhen, sollte es signiert werden. Um Zeit zu gewinnen nötigte man mich,
Dein bekanntes
  C.L.
zu zeichnen und gegenzuzeichnen
                                                                   (durch August Strindberg)
welches geschah.
Lose wurden für 110 Kronen verkauft. Schwester Anna Philp, die stur darauf
bestand, das Plakat "haben zu wollen," gewann - kannst Du es glauben! - es auf
Nummer 172!
Es ist wunderlich! Ihre Freude ist groß und jetzt soll das Kunstwerk in Glas und
Rahm'! Die Sozietät verfertigt Dankschreiben an Dich und die armen Alten hier
segnen Dich und die Deinen!
Meine Tochter Greta kam! (338) Ich fürchtete das Wiedersehen: hatte aber nur Freude!
Die gleichen netten, blauen Augen; Ansätze der Grübchen in der Wange, ständig
freundlich und aufmerksam gegen andre; und ich vernahm wieder ihr "lilla Pappa",
was ich nicht 7 Jahre gehört habe. Ja, das Leben scheint doch nicht so
unversöhnlich, wie ich geglaubt hatte!
Übrigens "mit ein wenig Religion kann man sogar eingelegten Lachs ertragen" wie
wir letztens überein waren.
Auch meine Schwester Nora (Hartzel) ist hergekommen mit ihrem Gatten, dem
Ingenieur und einem Siebenjährigen! (339)Die Schwestern spielen Duette, Mendelsohn;
und der wohlhabende Schwager entkorkte Champagner; Kegel wurden umgestoßen,
die Tiefe des Meeres gepeilt und es herrschten Harmonien.
Weißt Du: diese fünf Wochen sind mir wie ein schöner Traum aus welchen ich
fürchte, zu erwachen: Der schlimmste Alp waren die Mücken (und der schlechte
Kaffee!).
Für den Winter träume ich von Saltsjöbaden! Vielleicht ist es zu fein für mich!
Nun danke ich Dir für letztens! Grüße Frau Karin und sende ein Hurra von meinen
Kindern (eigne und  der Geschwister) an Deine!
   Der Freund
   August Strindberg.
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Eifersuchtsnacht
gemalt in Berlin 1893
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An Karin, Greta und Hans Strindberg.
Brief Nummer 119
   10 April 1900
 Liebe Kinder,
So hier wird erzählt: Ein Fräulein Kronberg (? es fing mit Kron- an)  in Helsinki,
welche dort die Chefin für die Wohltätigkeit ist, hat hierher an Ellen Key (340)
geschrieben, daß ich euch in Not gelassen und daß ihr auf die Wohlfahrt verwiesen
wart.  Ich hatte ja keinen Grund, zu glauben, es war unwahr, besonders, nachdem
im vorigen Winter Graf Mörner mich verstehen ließ, man glaube allgemein, ihr
seiet in ökonomischen Schwierigkeiten.
Um mich vor ungerechten Beschuldigungen zu schützen, übergab ich die
Angelegenheit dem Reichstagsmann Karl Staaff, der Advokat ist. (341) Dieser
informierte mich darüber, daß meine Schuldigkeit, euch zu versorgen mit 15 resp.
18 Jahren aufhört. Das wußte ich vorher, aber ich, dem man alle Rechte über euch
entzogen und nur Pflichten auferlegt hat, habe mich von anderen Motiven leiten
lassen als den Buchstaben der Gesetze. Und ich habe euch gesagt, wenn ich kann,
dann gebe ich euch. Wenn ich nicht kann, gebe ich nichts, vollkommen natürlich.
Daß ich euch in den letzten Jahren soviel geben konnte, beruhte auf den Verkauf
der Gesammelten Erzählungen; aber das ist geschehen  und das wiederholt sich
nicht für etliche Jahre.
Karin sagt, ihr brauchtet 500 Mark im Monat. Gut! aber woher sollten die
genommen werden? Ich besitze sie nicht, also müßt ihr versuchen, sie zu
beschaffen! Karin will studieren. Ja, aber wenn man nicht vor dem
einundzwanzigsten Jahre Student geworden ist,  dann hat man weder Fleiß oder
ungewöhnliche Anlagen gezeigt. Als ich mit 18 Jahren Student war, wollte ich das
Examen ablegen, aber da ich arm war, mußte ich Volksschullehrer werden. Das
Leben gibt nicht alles was man will und ich konnte nicht meinen armen Vater
reicher machen. Das war unmöglich!
Greta will Schauspielerin werden. In Finnland verdient sie ja nichts, deshalb erbot
ich mich ihr  im vorigen Sommer, ein Engagement hier zu beschaffen, mit dem sie
sich versorgen könnte. Birger Mörner erzählte, daß Hans bestimmt Apotheker
werden will. Mörner war bereit, Hans Anstellung in der Apotheke seines Vaters in
Norrköping, mit Unterbringung und Kost, zu verschaffen; sowie Dispens vom
Studentexamen zu suchen. Also gibt es Möglichkeiten für euch zu existieren. Warum
sucht ihr nicht Arbeit, anstatt Bettelei vorzuziehen in so einem jungen Alter.
Ich habe große Einkommen gehabt, aber muß Schulden bezahlen;  besitze kein
Heim und ende wahrscheinlich in der Wohlfahrt. Doch bin ich alt und habe mein
ganzes Leben gearbeitet, meistens für andre;  und war zweimal überanstrengt und
deshalb krank!
Macht euch darüber eure Gedanken!  Und seht euch um an dem Scheideweg, wo es
gilt zu wählen! Arbeit, die  Unabhängigkeit zur Folge hat oder Bettelei mit
Abhängigkeit und Schande.
Wenn ich Geld bekomme, werde ich schicken!  viel, wenn ich viel bekomme, wenig,
falls ich wenig bekomme!
   Der Freund
   August Sg.
31 Banérgatan, Stockholm.
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Strandpartie Kymmendinsel
gemalt von August Strindberg
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An Emil Schering
Brief Nummer 120
   [22.Juli 1900]
 Geehrter Herr!
Mein erstes Stück hieß "En Namnsdagsgåva", 2 Akte, eingeliefert an das Königliche
Theater. (342) Niemals gedruckt. Manuskript an unbekannten Ort, vielleicht
weggekommen.
Ich habe niemals Gelegenheitsstücke geschrieben. "I Rom" wurde doch mal in der
KONGELIGE OPERA zu Thorvaldsens Geburtstag 1870 gespielt.
"Fritänkaren" nicht vorhanden. Kann nur in der K[öniglichen] Bibliothek gelesen
werden. (343)
                                                                   Ihr
  August Strindberg
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HARRIET BOSSE
 
An Harriet Bosse
Brief Nummer 121
   19.November 1900
 Fräulein Harriet Bosse, (344)
Da ich mich heute Abend nicht im Theater zeige, bitte ich Ihnen jetzt zu danken, für
das, was ich auf der Generalprobe gesehen habe. (345) Es war groß und schön
(Damaskus) obwohl ich mir die Figuren etwas heller dachte, mit kleinen Zügen  der
Schalkhaftigkeit und mehr Entwicklung.
Etwas vom "Puck" (346)  - das war mein erstes Wort an Sie! und das wird mein letztes
sein! Ein Lächeln mitten im Elend deutet die Existenz einer Hoffnung an und die
Situation zeigt sich ja nicht hoffnungslos!
Und so: Viel Glück auf der Fahrt zwischen Dornen und Steinen! So ist der Weg! Ich
lege nur einige Blumen auf ihn!
   August Strindberg
Harriet Bosse als Puck
in Shakespeares Mittsommernachtstraum
im Herbst 1900
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Erste Kinderwiege
Stockholm 1901
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An Axel Strindberg
Brief Nummer 122
   22.November 1900
 Bruder,
Hast Du Zeitungen mit anständigen Anmeldungen der Uraufführung von Damaskus
behalten, so sei so nett und spare sie für meinem Deutschen, (347) der sie benötigt!
War es SVENSKA DAGBLADET und STOCKHOLMS TIDNING die lobten? (348)
   Freundlichst
   August.
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An Emil Schering (349)
Brief Nummer 123
   22.November 1900
 Verehrter Herr,
Damaskus ist seit montags gelaufen und nicht mißglückt!
Morgen sende ich Ihnen mehr Zeitungen (350)
Grüße an Ihre Gattin!
   Freundlichst
   August Strindberg.
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An August Palme
Brief Nummer 124
   24.November 1900
 August Palme! (351)
Höre Du, wenn die Photographien von Damaskus genommen worden sind, bitte,
daß ich bekomme! Besonders etwas Gutes von Fräulein Bosse, am liebsten im
schwarzweißen Kostüm. Mein Deutscher (352) schreibt nämlich aus Berlin, daß das
Stück auf Grund der Telegramme zur Aufführung kommen kann!
Die Telegramme sollen sehr günstig sein.
   Freundlichst
   August Strindberg
31 Banérgatan
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An Emil Schering
Brief Nummer 125
   [15.Juli 1901]
 Werter Herr Schering,
Meine Frau dankt für die Glocke, (353) und ich bitte Sie, schreiben Sie die Kosten auf
mein Konto, wie auch Faust-Schwedenborg. (354)
Lassen Sie mich wissen, wenn Sie zurück nach Charlottenburg ziehen! (355)
Jetzt über Ihren Brief über Carl XII. Ja einen Charakter hatte ich gedacht, es zu
nennen. "Nur Ein Karakter-Schilderung".Oder   C. XII   ein Catastrof-Drama. (356)
Ja wohl!  Lessing (357) möge gern "Ostern" spielen, aber eine Sonntagsmatinee, der
Stimmung wegen. Gibt es eine Eleonora?
   Ihr
            Aug. Sg.
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Vita Märn (1901)
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An Harriet Bosse.
Brief Nummer 126
   [27.August 1901]
Sage ein einziges Wort! Über Deine Absichten, so schnell Du Dir selbst darüber
klar bist. Ich kann kein Mittel finden, das Dich dazu bringt, zu mir zurück  zu
kehren, da ich nicht weiß, warum Du gegangen bist. (358) Aber wartest Du deinerseits
auf ein Wort von mir, so brauche ich nicht zu sagen, daß dein Heim erwartend
steht, genauso sauber, wie als Du fortgegangen bist;  und daß Du in dein gelbes
Zimmer, und in dein Grünes eintreten kannst, wann es Dir behagt, ohne mich zu
sehen; daß Du deine Türen schließen kannst, daß Du sie öffnen kannst und mich
rufen kannst, wann Du so willst, daß Du dich nicht explizieren mußt, und daß ich
Dir so wenig wie möglich unbehaglich sein werde!
   August Strindberg
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An Emil Schering
Brief Nummer 127
   [ 16.November 1901]
 Hochgeehrter Herr!
Seien Sie so gut und bestellen Sie Herrn Block, ich werde das Manuskript (359) in drei
Tagen schicken, wegen alter Freundschaft. In Saltsjöbad sprach mit Geijerstam über die Affäre Levertin. Ich stellte fest:
Schering preist mich. Levertin greift Schering an. Wenn ich S. verteidige, dann
bedeutet das: Ich, Strindberg, stimme in die Lobpreisung über Sg ein!  Welches ist
Absurdum; Ergo! (360)
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An Emil Schering
Brief Nummer 128
   D. 21.Juli 1903
 Werter Herr Schering,
Da Sie sich erbieten Propaganda-Exemplare (361) zu verschicken, bitte ich, schicken
Sie an:
 Professor Harald Hjärne,Uppsala
 Professor Hans Larsson, Lund
 Dozent Axel Herrlin, Lund
 Professor Schleich, Berlin
Könnten Sie mir Haeckels: Über das Schöne in der Organischen Natur (?) (362)
besorgen und Hampels Auflage von E.T.A. Hoffmanns Werken?
Dr. Otto Weininger in Wien hat mir "Geschlecht und Charakter" geschickt, ein
fürchterliches Buch, aber das wahrscheinlich das schwerste aller Probleme gelöst
hat.
Er zitiert "Gläubiger", sollte aber "Vater" und "Fräulein Julie" kennenlernen.
Wollen Sie diese ihm schicken? (363)
Ich buchstabierte, aber er legte zusammen.
Voilà un homme!
   Ihr
   August Strindberg
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An Emil Schering
Brief Nummer 129
   [ 2.August 1903]
 Werter Herr Schering,
So lese ich Rich. Meyers "Goethe", und sehe, daß G. über die Metamorphose der
Insekten geschrieben hat. Jetzt erst: Was kostet Goethes meist vollständige Auflage
antiquarisch? Und dann: Ihr Deutschen, die alles wissen: Hat nicht in der
Gegenwart irgend ein Gelehrter den hystolytischen Verlauf  in der Puppe des
Schmetterlings (und andere)  geschildert und abgebildet? Ich meine nicht die
Hauptverwandlungen der Larve, sondern das Hystolys in der Puppe der ganzen
Larve? Kein Darwinist, kein Haeckel, hat dieses Universalproblem  behandelt;
Individuelles Leben, welches fortgeht nach dem Auflösen des Gewebes in einen
Schleim; Das ist das Unsterblichkeitsproblem, die Unzerstörbarkeit der
individuellen Energie; Auferstehung aus dem Tode, auch Auferstehung des
Körpers! (364)
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An Emil Schering
Brief Nummer 130
   [ 17.August 1903]
 Werter Herr Schering,
Ich kann mir 77 Mark für Goethes Natur-Wiss. nicht leisten; wir müssen warten!
 
Hat Hahn schon das Berlin-Theater eröffnet? Und womit fing er an?
Glauben Sie, meine persönliche Anwesenheit in Berlin könnte eines meiner
Modernen Dramen auf die Szene befördern?
   Der Ihre
   freundlichst
   Aug Sg
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Sonnenuntergang am Meer
Stockholm 1903
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An Richard Dehmel (Original Deutsch)
Brief Nummer 131
  D  24Dec 1903
 Richard Dehmel,
Schließlich findest Du mich wach; und ich benutze den Augenblick Dich als
Deutschlands Erste Dichter zu huldigen - trotz verschiedenes! (365)
Wir dienen nicht den selben Göttern und sprechen nicht die selbe Sprache!  Aber
was? Und so greife ich die Gelegenheit Dir meinen  spätgekommenen  aber
aufrichtigen Dank zu sagen für Alles gutes  Du mir gethan in meinen Jahren des
Elends! Siehst Du, mein Freund, mit der damalige zoologische Welterklärung
konnte ich nicht einmal ein milligram Dankbarkeit producieren; ein Zellenthier
assimiliert nur, empfängt nichts, und kann deswegen nicht Dank sagen. Jetzt kann
ich! Beklage mich nicht!
   Dein ergebener
   in Verpflichtung
   August Strindberg
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Die Stadt
Stockholm 1903
Zum nächsten Brief!