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An seinen bei Paris zu Sprachstudien
weilenden Bruder Oscar schreibt der dreizehnjährige August am 22.März
1862:
Brief
Nummer 1
Mein Guter Bruder Oscar
Jetzt haben wir keine Mutter
mehr. Sie starb in der Nacht zwischen Mittwoch und Donnerstag(1),
wir waren alle drinnen bei ihr , aber sie war nicht bei Sinnen, so daß
sie uns nicht erkannte. Sophie hat ihr das Sterbehemd angezogen, und sie
war sehr verändert. Vaters Schwester, Tante Strindberg,(2)
und Mamselle Emma, Sophie und unsere Mamsell haben volle Beschäftigung
mit dem Nähen der Kleidung für die Kleinen. Wir sind sehr
traurig, aber Papa hat uns beruhigt, dadurch daß er sagte, es sei
Gottes Wille.Der Lehrer Bohman sagte auch dasselbe zu mir. Am Dienstag,
Maria Verkündigung, soll sie begraben werden. Herr Carlsson, der ehemalige
Buchhalter von Papa, war vor kurzem sehr hastig gestorben. Der Schlachter(3)
im Eigentum nebenan starb letzte Nacht.
Jetzt haben wir fast Frühling,
die Drottningsgatan ist schneelos und wir haben schönes Wetter,
aber heute hatten wir am Morgen 11½ Grade kalt. Der Spruch auf dem
Sarg der Mutter ist die Nummer 484 Vers 5. Oscar Selander läßt
grüssen, er weinte, als er erfuhr, daß Mama tot war, so auch
Anton.
Weine nicht zuviel und verzweifle
nicht, denn Gott wollte es , sondern beruhige Dich und tröste Dich
mit Gottes Wort, was wir getan haben.
Bittet Dein Zugeneigter und Bedrückter Bruder
August
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FUSSNOTEN
1:
Das Original befindet sich in der königlichen
Bibliothek in Stockholm (KB). Nach dem Sterbe- und Begräbnisbuch der
Adolf-Fredrik-Gemeinde verstarb Strindbergs Mutter am 20.März 1862
an Schwindsucht; sie war 39 Jahre, 2 Monate und 2 Tage alt. Über den
Tod der
Mutter siehe "Sohn einer Magd" Band 1.
2:
Tante Strindberg = Thérese Strindberg
(1814-1875) , Wittwe nach Strindbergs Onkel Johan Ludvig Strindberg. Unter
seinen Kindern der
später August Strindberg nahestehende
Cousin Johan Oscar und Cousine Lovisa.
3:
Der Schlachter J.G.Falk, Norrtullsgatan 18.
Nach Olof Strindberg, dem jüngeren Bruder von August, gab es
neben dem Strindbergchen
Hause eine Schlachterei, "die von zwei Hunden
der blutdürstigen Sorte bewacht wurde, vor denen die Gebrüder
Strindberg
einen enormen Schrecken hatten, weil die
Hunde es schwer fanden, Menschen- von Tierfleisch zu unterscheiden".
In diesem
Zusammenhang muß man an Strindbergs
schon pathologische Hundephobie erinnert werden.
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BRIEF
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